Superfood auf Koreanisch: Kimchi

Kimchi (Koreanisch 김치, ausgesprochen „kim-tschi“) wird häufig mit dem deutschen Sauerkraut verglichen, weil beides fermentierte Speisen sind. Aber geschmacklich trennen die beiden Kontinente: Die koreanische Küche ist oftmals um ein Vielfaches schärfer als die Deutsche, ein Gericht besteht meist aus Reis, Suppe und mehreren, wechselnden Beilagen, die von allen am Tisch geteilt werden. Kimchi wird zu jeder Mahlzeit als eine dieser Beilagen gereicht. Es kann aus vielen verschiedenen Gemüsesorten bestehen, wie Chinakohl, verschiedenen Arten Rettich oder Gurken, und es gibt hunderte unterschiedliche Kimchi-Rezepte, je nach individuellem Geschmack, Jahreszeit, regionalen Bräuchen oder Familientradition.

Imsilgun_County_53

Kimchi in der Mitte des Bildes, umgeben von verschiedenen Beilagen. Foto: CC BY-SA 2.0, Republic of Korea

Kimchi und ich – Liebe auf den zweiten Blick

Meine ersten Erfahrungen mit Kimchi liegen ein paar Jahre zurück, als ich nach dem Abitur nach Südkorea reiste. Dort lebte ich in einer Gastfamilie, in der traditionell koreanisch gekocht wurde: Zum Frühstück, Mittagessen und Abendbrot gab es also Kimchi. Für meine, an die deutsche Küche gewöhnte Zunge und Nase war das zunächst gewöhnungsbedürftig, da das Kimchi nicht nur scharf und sauer war, sondern auch einen sehr eigenen, strengen Geruch hatte. Viele Kimchi-Rezepte beinhalten Sojasoße, Fischsoße, Zwiebeln oder Knoblauch. Die ungeschriebene Regel, in Südkorea alles rote Essen mit Vorsicht zu genießen, lernte ich schnell (und schmerzhaft) – die rote Färbung des Kimchi entsteht durch das Würzen mit Chilipaste.

Während meines Aufenthalts erlebte ich meine erste Kimjang (Koreanisch 김장, ausgesprochen „kim-dschang“), die Zeit im Spätherbst, in der traditionell ein Vorrat an Kimchi für den Winter eingelegt wird. Früher brachte dieses Ereignis die Dorfbewohner und Familien zusammen und stärkte so die Dorfgemeinschaft. Heutzutage, in einer Zeit in der die meisten Südkoreaner in Großstätten wohnen, führt sich diese Tradition auf eine andere Art fort: In Seoul gibt es beispielsweise jährlich das „Kimchi Making & Sharing Festival“.

Ich hatte das Glück, an Kimjang im Kreise meiner Gastfamilie teilnehmen zu dürfen. Einen Tag lang saßen wir gemeinsam auf dem Boden im Wohnzimmer und bereiteten kiloweise Kohl für die Einlagerung vor – dabei wurde mir als Zeichen von Wertschätzung immer wieder ein frisch eingelegtes Stück zum Probieren gereicht. Frischer Kimchi schmeckt milder als länger eingelagerter, sodass ich so doch noch auf den Geschmack kam.

Seoul_Kimchi_Making_Sharing_Festival_17

Foto: CC BY-SA 2.0, Republic of Korea

Kimchi-Kultur im heutigen Südkorea

Erste Erwähnungen des Haltbarmachens von Gemüse durch Einlegen und Fermentation, also Kimchi in seiner frühesten Form, reichen bis zu 3000 Jahre zurück. Heutzutage gilt es als das Nationalgericht der Koreaner – durchschnittlich verspeist eine Person jährlich um die 18 kg Kimchi[i] – und erlangte in den letzten Jahren aufgrund seiner, für die Gesundheit positiven Eigenschaften, auch international Bekanntheit.

Im Jahr 2013 wurde Kimjang, die erwähnte gemeinschaftliche Herstellung von Kimchi, heutzutage eine in Nord- und Südkorea gepflegte Tradition, von der UNESCO zur Liste des immateriellen Kulturerbes hinzugefügt. In Seoul gibt es seit 1986 ein Kimchi-Museum, „Kimchikan“, das Koreanern und ausländischen Besuchern den Variantenreichtum und die vielfältige Kultur um Kimchi näher bringt: Dort können Besucher verschiedene Sorten Kimchi probieren oder sich selbst in der Herstellung versuchen. Außerdem gibt es seit 2010 das „World Institute of Kimchi“, ein von der koreanischen Regierung finanziertes Forschungsinstitut, das die Entwicklung und Erforschung von Kimchi zum Ziel hat.

Kimchi_Contest_20141112_16

Foto: CC BY-SA 2.0, Republic of Korea

Wer die Chance hat, selbstgemachtes Kimchi einmal zu probieren, dem kann ich nur empfehlen, sich durch Aussehen und Geruch nicht abschrecken zu lassen – denn auch ich bin nach anfänglicher Skepsis zu einem Kimchi-Fan geworden!

Ab Mittwoch, dem 21. Februar könnt Ihr die Ausstellung “S(e)oul food. Koreanisch-kulinarische Erinnerungen mit Bildern von Cookie Fischer-Han” bei uns sehen!

 

Text: Elisabeth Kirchhoff, Studentin der Koreanistik an der Universität Hamburg und studentische Hilfskraft im Museum für Völkerkunde Hamburg

Fotos: Ministry of Culture, Sports and Tourism, Korean Culture and Information Service, Korea.net, Official Photographer: Jeon Han

[i] Huang, Echo (19.01.2018): The kimchi you eat outside of Korea is probably made in China. Quartz. Online: https://qz.com/1183632/the-kimchi-you-eat-outside-of-korea-is-probably-made-in-china/ (Zugriff: 14.02.2018).

Schreibe einen Kommentar