Mandala

Bei der Meditation über ein Mandala handelt es sich um eine der höchsten und anspruchsvollsten Formen der Geistesschulung im Mahayana-Buddhismus. Sie gehört zum tantrischen Buddhismus der in der indo-tibetischen Tradition als die effektivste und höchste Praxis angesehen wird um den Zustand eines Buddhas zum Wohle aller Lebewesen zu erreichen. Die Erleuchtung anzustreben um aus ihr heraus den Wesen helfen zu können nennt man den Erleuchtungsgeist (Bodhicitta). Mit dieser Geisteshaltung strebt man nicht vornehmlich nur die eigene Befreiung aus dem Leiden an sondern macht sich bewusst, daß auch alle anderen Lebewesen im Daseinskreislauf leiden müssen und daß es vor allem darauf ankommt diese zu erretten. Zu diesem Zweck meditiert man über den Zustand der Buddhaschaft als hätte man ihn bereits erreicht. Dabei visualisiert man innerhalb des sogenannten Gottheitenyogas den eigenen Körper als den einer Gottheit in Form eines Buddhas und die Umgebung als vollkommen rein in Form eines Palastes aus Licht, der symbolisch alle Eigenschaften des Geistes eines Erleuchteten manifestiert.

Das Mandala stellt eine Art Aufsicht auf diesen Palast dar. Im Zentrum des Palastes befindet sich die zentrale Gottheit und um sie herum gruppieren sich zumeist vier weitere Buddhas. Diese fünf Buddhas stehen dann für die gereinigten fünf psycho-physischen Aspekte eines Buddhas, die technisch die fünf Aggregate genannt werden und aus dem Körper, den Empfindungen, den Unterscheidungen, den Gestaltenden Faktoren und dem Bewusstsein bestehen. Der Palast ruht auf einem Vajra, der den tiefen Geisteszustand des Klaren Lichtes symbolisiert aus dem sich alle weiteren Geisteszustände ergeben. Um den Palast herum befindet sich ein Schutzkreis zur Vermeidung aller äußeren negativen Einflüsse. Die rituell exakte Herstellung eines Mandalas etwa mit gestreuten Puder dient während eines Initiationsrituals als Grundlage für die Übermittlung des Segens des Buddha. Das bloße Erblicken eines Mandalas gilt als äußerst kraftvoll um tiefe, unterbewusste Ebenen des Geistes zu läutern. Auf der Grundlage eines solchen Rituals ist der Initiierte ermächtigt, in täglicher Praxis sich selbst als Gottheit im Mandala hervorzubringen und in Verbindung mit vielfältigen Meditationen und Visualisierungen seinen Geist zu reinigen und heilsame Energie anzusammeln und schließlich selber das eigene Wesen in den Buddhazustand zu transformieren. Das gestreute Mandala wird nach der Initiation auch als Hinweis auf die Vergänglichkeit aller Dinge in ein fliessendes Gewässer übergeben und segnet dabei die Umwelt.

Text: Oliver Petersen

Petersen (geb. 1961) ist Übersetzer und leitet seit vielen Jahren Studienkreise, Seminare und Meditationskurse im Tibetischen Zentrum e.V. Er ist u.a. Magister der Tibetologie, Religions-wissenschaft und Philosophie.

Fotos: L. Ivarsson

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