VERZIERTER WALROSSZAHN

Der Walrosszahn aus dem sibirischen Tschukotka stellt die Erzählung vom Jäger und den Riesen dar. Ein Jäger begibt sich auf die Suche nach seinen verschwundenen Kindern bis ihn schließlich eine Riesin zu seiner Familie zurückgeleitet. Auf seinem Weg begegnet er auch Wesen in Tiergestalt: Polarfüchsen und einem Mensch und Tier verspeisenden Riesenadler. Tiergestalten haben in Legenden und Mythen einen festen Platz. Sie können Schöpfungs- und Ahnenfigur, Haupt- oder Nebenfigur sein. Der Glaube an die Gleichwertigkeit von Tier und Mensch macht einen möglichen Wechsel zwischen tierischer und menschlicher Gestalt selbstverständlich.
Der Zahn wurde von der Künstlerin Maia Gemauge in Uelen gefertigt. Der von Tschuktschen und Yuit bewohnte Ort an der Beringstraße ist von der Meeresjagd geprägt und bekannt für seine kunstvolle und charakteristische Elfenbeinschnitzerei. Aus dem traditionellen Handwerk wurde im 19. Jahrhundert Kunsthandwerk, im 20. Jahrhundert folgten Werkstätten und eine professionalisierte Ausbildung. In den 1970er Jahren entstanden umfangreiche Werke von Frauen.

Text: Jana C. Reimer, Orient-Abteilung, Museum für Völkerkunde

Copyright: Paul Schimweg / Museum für Völkerkunde Hamburg
Copyright: Paul Schimweg / Museum für Völkerkunde
Hamburg

HERKUNFT Russland, Autonomer Kreis der Tschuktschen, Uelen
ETHNIE Sibirische Eskimo (Yuit) oder Tschuktschen
DATIERUNG 1971
MATERIAL Walrosszahn, Farben
MAßE Länge 64 cm
INVENTARNUMMER MV 75.17:1
Ankauf Karstadt Mönckebergstraße, 1975

Kuratorin Katharina Süberkrüb erzählt die faszinierende Geschichte, welche auf einem Walrosszahn kunstvoll eingraviert wurde.

 

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