„Kino polar“ am Sonntag: RECYCLING & KOSMOLOGIEN

29. Januar 2017 | 15 Uhr: RECYCLING

Die meisten Filme, die wir über die Arktis gesehen haben, folgen einer realistischen Ästhetik: Lehr- und Expeditionsfilme, Reise- und Souvenirfilme beherrschen unsere arktische Bilderwelt. Inmitten dieses Eismeer- und Eisbärrealismus lauern jedoch noch andere Wahrheiten. Und manchmal muss man Altbekanntes radikal verformen und verfremden, um klarer sehen zu können.
Unter dem Stichwort RECYCLING zeigen wir vier Filme, die ausschließlich aus Archivmaterial entstanden sind und die Synapsen unseres Filmgedächtnisses anders zu verknüpfen suchen. Sie werden uns auf unmögliche Reisen schicken, auf denen der Schnee sich verfärbt, unerhörte Geräusche zu pulsieren beginnen oder arktische Expeditionen direkt zum menschlichen Herzen führen.
Was Filmarchive sonst noch vermögen, wollen wir im Anschluss mit der Ethnologin Susanne Hammacher besprechen. Sie betreute das Filmarchiv am Royal Anthropological Institute in London und leitet heute die Abteilung Bildung und Vermittlung am Übersee-Museum Bremen.

 

29.01.2017 | 18 Uhr: KOSMOLOGIEN

Das Weltall und die Arktis liegen dicht beieinander. Und man könnte meinen, dass sich Mythen über ihre Entstehung und Entwicklung im naturwissenschaftlichen Zeitalter von selbst erledigt hätten; höchstens noch interessant für Traditionsfetischisten oder nerdige Religionsethnologen. Dass dem nicht so ist, beweist der letzte Filmblock von „Kino polar“. Hier zeigen uns vier radikal humorvolle Filme die zukunftsweisenden Ausmaße kosmologischen Denkens auf, das auch nach der Jahrtausendwende noch durch die nördliche Polarregion befördert wird.

So schießen in diesem Filmblock alle Chronologien quer, wenn Eline McGeorge vergangene Technik- und Gesellschaftsutopien mit gegenwärtigen Rohstoffpolitiken zusammenbringt und eine paradoxe Zukunft stiftet. Im Kurzfilm „Night Mayor“ schlägt unsere globale Kommunikation kosmische Bahnen ein, wenn ein serbischer Erfinder den kanadischen Himmel für Bildübertragungen zu nutzen beginnt. Und in „This is Alaska“ nimmt die Frage, wo die Arktis überhaupt liege, bedrohliche Ausmaße für all diejenigen an, die immer noch davon träumen, der ‚Zivilisation’ im Schnee und Eis entkommen zu können. Dem entgegen hat Guido van der Werve eine bestechend konkrete Lösung parat: Er macht – zumindest für einen Tag – einfach nicht mehr mit, wenn sich unser Planet wieder einmal nur um seine eigene Achse dreht.

  • With the free Rider into the Oil Age and beyond
    Eline McGeorge (NOR 2014, OmeU, 11.30 Min.)
  • Night Mayor
    Guy Maddin (KAN 2009, engl. OV, 14 Min.)
  • This is Alaska
    Mårten Nilsson und Gunilla Heilborn (SWE 2009, OmeU, 11 Min.)
  • Nummer negen. The day I didn’t turn with the world
    Guido van der Werve (Geografischer Nordpol 2007, ohne Dialoge, 8.40 Min.)

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