Kino polar – „Arctic cinema“ im Museum

Von Theresa George und Julia Dombrowski

Vom 27. – 29. Januar zeigen wir im Rahmen der Doppelausstellung EisZeiten im Museum für Völkerkunde Hamburg und im Archäologischen Museum Harburg das Kino polar – ein Filmprogramm, das sich den wechselhaften Perspektiven auf die Arktis verschrieben hat. Die sechs thematischen Blöcke der Reihe versammeln unter abstrakten Oberbegriffen – wie „Sammeln“, „Jagen“ oder „Kosmologien“ – 13 Filme.

Polarlichter, Kanada, 2016. © Paul Aningat

Doch warum ausgerechnet ein Filmprogramm im Museum ansiedeln? Unabhängig davon, dass wir, Theresa George und Julia Dombrowski, begeisterte Film- und Museumsmenschen sind, bietet sich das Thema Arktis für den Zusammenschluss der beiden Kunst- und Vermittlungsmedien par excellence an.

Wissen, Vorstellungen und nicht zuletzt auch Fantasien über die Arktis wurden und werden MitteleuropäerInnen seit Jahrhunderten sowohl durch Museen als auch durch Filme vermittelt.  Ausgangspunkt der Arktisfaszination waren „Expeditionen“ – seit dem 15. Jahrhundert zogen russische Forscher an die nordischen Küsten, im 16. Jahrhundert folgten die ersten englischen Expeditionen. Neue Schifffahrtswege sollten gefunden, Unbekanntes kartographiert, Lebensweisen erforscht, Objekte gesammelt werden…  Und das Thema scheint seine Faszination nicht verloren zu haben. Mit „Expedition ans Ende der Welt“ zeigen wir am 28.1.2016 eine aktuelle und humorvolle filmische Adaption des klassischen Expeditionsstoffes.

Forschung und Museen waren damals eng verbunden: Der bekannte norwegische Polarforscher und Zoologe Fridtjof Nansen war beispielsweise über sechs Jahre Kurator am Bergen Museum. Zahlreiche Museen in den Staaten und Europa zeigten Ende des 19./ Anfang des 20. Jahrhunderts Ausstellungen mit Objekten, die aus arktischen Expeditionen stammten.

Ein Schneemobil auf dem Eis. Kanada, Nunavut, 2014 © Paul Aningat
Ein Schneemobil auf dem Eis. Kanada, Nunavut, 2014
© Paul Aningat

Die Arktis bot den EuropäerInnen aber immer auch Raum für Fantasien und Imaginationen. So folgten bereits im frühen 20. Jahrhunderts die ersten arktischen Filme: 1912 entstand der französische Stummfilm „À la conquête du pôle“, in dem eine Gruppe Reisender einen menschenfressenden Frostgiganten und eine riesige magnetische Nadel am Nordpol antreffen. Insbesondere in Spielfilmen bildeten Abenteuer, der Kampf mit der unerbittlichen Kälte und Expeditionen zentrale Themen. Doch bald regte sich auch Interesse an den BewohnerInnen der Arktis: „Nanook of the North“ (1922) gilt nach wie vor als einer der ersten ethnologischen Dokumentarfilme und beeinflusst auch heute noch – trotz seiner Inszenierungen und stereotypen Darstellungsformen – die mitteleuropäischen Vorstellungen vom „Eskimo“.

Da wir die Filme in zwei Museen zeigen, startet das „Kino polar“ natürlich mit dem Thema „Sammeln“. Am 27.1. um 18 Uhr zeigen wir zwei Auseinandersetzungen zum Umgang mit Museumssammlungen. Im Anschluss wird es musikalisch und Popkultur trifft auf verschneite Winterlandschaften Nordnorwegens. Die wunderbare Musikdokumentation „Artic Superstar“ zeigt den künstlerischen Weg eines Rapper, der auf Samí rappt, obwohl die Sprache weniger als 20.000 SprecherInnen hat…

Wir hoffen, Eure Neugierde geweckt zu haben! Mehr zum Programm findet Ihr unter www.voelkerkundemuseum.com und www.eiszeiten-hh.de

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