Ausgepackt: Asien. Die Besonderheiten Chinesischer Opiumpfeifen….

Im Rahmen der Veranstaltung Ausgepackt: Asien fand am 06. Juli eine Führung zum Thema chinesische Opiumpfeifen statt. Ich bin Marjana Maier und habe diese Führung organisiert. Seit Anfang Mai 2016 bin ich Praktikantin bei Frau Dr. Susanne Knödel, die im Museum für die Abteilung Asiens zuständig ist. Eine Hauptaufgabe meines Praktikums ist die Bearbeitung der Opiumpfeifen des Museums. Ich selbst bin Studentin der Koreanistik an der Universität Hamburg und habe somit schon in der Theorie Kontakt mit dem Thema Opium gehabt. Im Studium liegt der Fokus allerdings auf den Kriegen um das Opiat, weshalb ich mich sehr darüber gefreut hatte, im Praktikum eine andere Seite betrachten zu können.

Die charakteristische, chinesische Opiumpfeife besteht aus einem 50-60cm langen Rohr, einem Sattel aus Metall, auf dem der Pfeifenkopf sitzt, sowie einem Mundstück, welches meistens aus Elfenbein ist. Zum Rauchen von Opium wurden lediglich drei Dinge benötigt: eine Pfeife, eine Lampe und eine Nadel. Eine erbsengroße Opiumpille aus getrocknetem Saft des Schlafmohns wurde auf eine Nadel gespießt und über einer Opiumlampe erhitzt. Auf flachen Gegenständen wurde die Pille in Form gebracht. Nie wurde sie direkt mit den Händen berührt. Durch die schmale Öffnung an der Oberseite des warmen Pfeifenkopfes wurde die Pille in das Innere gebracht und unterhalb der kleinen Öffnung geklebt. Der Pfeifenkopf wurde auf den Sattel an der Pfeife montiert und dann über der Flamme weiter erhitzt. Opium wurde im Liegen konsumiert. Reiche Chinesen besaßen allerdings oft ein ganzes Set mit bis zu zwanzig Gegenständen, worunter sich Waagen, Ständer für Pfeifenköpfe, Schaber, Scheren usw. befanden.

Der wichtigste Teil der Opiumpfeife ist aber der Pfeifenkopf, der dafür sorgt, dass die Alkaloide des Opiums, die einen in einen Rauschzustand versetzen, erhalten blieben und nicht verbrannten. Als die Chinesen 1650 anfingen, Opium zu rauchen, mischten sie dieses noch mit Tabak  und rauchten das Gemisch in ihren Tabak- oder Wasserpfeifen. Damals konnte Opium wegen seiner klebrigen Konsistenz noch nicht alleine geraucht werden. Der Geschmack und der zu geringe Rauschzustand gefielen den Chinesen jedoch bald nicht mehr, woraufhin sie zwischen 1650 und 1765 die uns jetzt bekannte Opiumpfeife mit Tonkopf erfanden.

Was alle Pfeifenköpfe gemeinsam haben, ist die Form eines Knaufes mit einer

kleinen 1-2mm großen Öffnung auf der Oberseite und einer größeren Öffnung auf der unteren Seite. Meistens ist das Endstück aus Metall und verbindet den Pfeifenkopf mit der Pfeife. Das Material, aus dem die Pfeifenköpfe hergestellt wurden, war überwiegend Ton.

Frühere Pfeifenköpfe waren dünnwandig und klein und zerbrachen schnell durch das ständige Erhitzen und Abkühlen sowie das nicht immer sanfte Reinigen des Innenraumes. Diese Pfeifenköpfe sind heute kaum noch vorhanden. Ab Mitte des 19. Jh. wurden Pfeifenköpfe mit dickeren Wänden hergestellt. Zwei typische und eine seltenere Form möchte ich hier vorstellen.

Yixing-Pfeifenköpfe:

Foto: Arne Bosselmann
Foto: Arne Bosselmann

Das Besondere an Yixing-Ton ist die sandige Beschaffenheit. Waren aus Yixing werden aus drei Haupttonarten gefertigt: zisha (lila), banshanlu (hellbraun) und zhusha (rot). Deshalb erkennt man Pfeifenköpfe aus Yixing oft schnell an der Farbe und dem Material. In China im 19. und frühen 20. Jh. wurden verschiedene Arten von Ton für die Produktion von Pfeifenköpfen verwendet. Schon damals herrschte jedoch die Meinung, dass der Yixing-Ton aus der Provinz Jiangsu den besten Rauch schaffe. Viele der Pfeifenköpfe aus Yixing haben ein typisches Aussehen. Neben der charakteristischen Farbe besitzen sie eine zylindrische Basis mit einer konvexen oder flachen Oberseite sowie keine oder kaum Verzierungen. Auf dem Bild kann man sehr schön die Stempel im Ton erkennen. Sie geben Auskunft über den Namen des Herstellers, Herstellungsort oder des Zeitraumes der Herstellung. Zurzeit versuche ich noch die Schriftzeichen dieses Stempels zu entziffern.

Pfeifenköpfe mit einer Halterung in Form einer geballten Faust:

Gegen Ende des 19. Jh. nahmen Verzierungen an den Pfeifenköpfen, wie an den Pfeifen selbst, zu. Dieser Pfeifenkopf ist ein Beispiel dafür. Die Halterung, auf welcher der Pfeifenkopf sitzt, ist eine geballte Faust, die aus Elfenbein gefertigt wurde. Sie sollte dem Arm der fiktiven Figur General Li Yuanba mit seiner wushu-Waffe gleichen und ist eher der Stil im Norden Chinas. In der Literatur ist General Li Yuanba (李元霸) der vierte Sohn von Li Yuan, dem Gründer der Tang-Dynastie (618-907). Er wurde als ein sehr starker und geschickter Kämpfer beschrieben und besaß ein Paar goldener, schwerer Hammer. Ein (runder) Pfeifenkopf auf der Halterung soll Li Yuanbas Hammer darstellen.

Pfeifenköpfe in Form einer Krabbe:

Opiumpfeifenkopf aus Keramik in sehr seltener Krebsform mit beweglichen Augen
Foto: Arne Bosselmann

Pfeifenköpfe in Gestalt von z.B. Kröten oder Krabben waren eher ungewöhnlich. Zusammen mit Zikaden und Fröschen galten Flusskrabben als eine Art Maskottchen bei Opiumrauchern, weswegen zu ihrer Ehrung ihre Abbildungen sowie Bildnisse das Opiumzubehör schmückten. Die Verbindung kam aufgrund des Blubberns der Opiumpfeifen zustande, die vor allem den Paarungsrufen der drei genannten Tiere ähnelte. In der Literatur heißt es, dass Pfeifenköpfe in Krabbenform eher in der chinesischen Diaspora, wie z.B. Vietnam oder Malaya, beliebt waren. Aufgrund des Stempels auf unserem Pfeifenkopf mit den Schriftzeichen青州 wissen wir, dass er jedoch aus der Stadt Qingzhou in Weifang, Shandong in der Volksrepublik China stammt.

Nach Ausgepackt: Asien lautet der nächste Schritt, die gesammelten Informationen zu vervollständigen und in die Datenbank des Museums einzutragen. Bis zum Ende meines Praktikums ist also noch eine ganze Menge zu tun.

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