„Kubas afrikanische Geister“: Eine Ausstellung wird vorbereitet!

Am 22. September 2016 werden wir im Museum für Völkerkunde Hamburg die Ausstellung „Kubas afrikanische Geister“ eröffnen. Ich bin Julia Dombrowski und arbeite gemeinsam mit Dr. Bernd Schmelz und Dr. Gabriele Lademann an der Ausstellung. Der Ethnologe Bernd Schmelz ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museums für Völkerkunde Hamburg, Gabriele Lademann ist Theologin und Religionswissenschaftlerin mit Beziehungen zum Verein Soul of Africa in Essen. Sie ist außerdem im Vorstand unseres Freundeskreises, der die Ausstellung finanziell unterstützt. Ich bin Ethnologin, meine Kernaufgabe stellen die Veranstaltungen und die Vermittlungsarbeit des Museums dar, und so freue ich mich umso mehr, auch einmal bei einer Ausstellung mitzuwirken!

Der Großteil der Objekte, die zu sehen sein werden, stammen aus dem Soul of Africa Museum in Essen, geleitet von Henning Christoph. Die Objekte werden zum ersten Mal öffentlich ausgestellt werden. Die Objekte stammen aus zwei bzw. drei verschiedenen afrokaribischen Religionen Kubas. Die Religionen heißen Palo Mayombe und Santería. Das Ifá-Orakel ist eine Linie der Santería, in die nur die hohen Priester, genannt Babalwos, sind.  Santería und Ifá sind in der Ethnologie sehr gut dokumentiert und beschrieben. Es existieren auch Literatur und Studien zum Palo Mayombe, aber wesentlich weniger.

Ursprünglich stammen die Objekte, die wir zeigen werden, von einem italienischen Ethnologen, der die Sammlung aus Altersgründen an Henning Christoph weitergab. Aus Platzgründen wurden sie in Kisten im Ruhr- Museum in Essen verwahrt. Diese Kisten sind nun zum ersten Mal bei uns im Haus geöffnet worden. Nachdem sämtliche Objekte eine Quarantänezeit bei uns im Haus überstehen mussten, um von eventuellen Schädlingen befreit zu werden, haben wir sie uns gemeinsam mit Henning Christoph angesehen, um einen ersten Eindruck zu bekommen.

Wir standen also gemeinsam vor einer Vielzahl von Soperas (Terrinen), Ketten, Spielzeugfiguren wie Bart Simpson oder Barbie-ähnlichen Modellen, Madonnenfiguren und Ngangas – Schalen mit auffälligen Objektarrangements, die zentrale Objekte des Palo Mayombe darstellen. Anders gesagt: Wir standen vor mehr als 500 Objekten; zählt man wirklich jedes Steinchen, dass dazugehört, schätze ich, dass wir an die 800 Gegenstände vor uns hatten. Diese  Dinge sind in Schalen und Terrinen arrangiert, die jeweils Götter und Geister repräsentieren.  Unsere Aufgabe bestand nun darin, sie alle samt in ihren Einzelteilen zu sichten, zuzuordnen und erste Ideen für einen Ausstellungsaufbau zu entwickeln. Gemeinsam mit Christoph Henning haben wir hierfür gut drei Tage im Archiv an über 500 Einzelobjekten gearbeitet (und sind immer noch nicht fertig geworden…)

Eines meiner Lieblingsbeispiele sieht man hier auf dem Foto: Es ist der Inhalt einer Sopera, eines Gefäßes in Form einer Suppenterrine. In der Santería beherbergen diese Terrinen Götter oder Göttinen. Genauer gesagt, befindet sich die Kraft der Götter und Göttinnen in „otanes“, in den Steinen, die in der Sopera liegen. Neben diesen Steinen finden sich Münzen, Kaurischnecken und andere Kleinigkeiten darin. Alles hat eine Bedeutung.

FotoDombrowski

Inhalt einer Sopera. Foto: J. Dombrowski

Die Götter der Santería heißen auf Kuba Orichás. Eine dieser Götter oder Göttinnen ist Yemayá, Göttin des Meeres und der Mutterschaft. Wie auch andere Götter, hat Yemayá verschiedene Wege (caminos), die unterschiedliche Aspekte dieser Gottheit darstellen. Der hier gezeigte Inhalt bezieht sich auf  Yemayás Wohlstand. So liegen in dieser Sopera Kaurischnecken, Korallenstücke, kleine Edelsteine – und Münzen. Wie man sieht, befindet sich auch eine Euro-Münze darunter. Sie stammt wahrscheinlich von dem italienischen Ethnologen, der seine Sammlung Henning Christoph vom Soul of Africa Museum vermacht hat… Das Foto zeigt, wie facettenreich und detailliert diese Objekte zusammengestellt sind – aber auch, wie viel Arbeit auf uns noch zukommen wird, all diese Dinge zu sichten!

Wir werden Euch auf dem Laufenden halten, wie unsere Arbeit vorangeht: Auf dem Blog, auf Instagram und Facebook werden wir immer wieder kleine Ausschnitte unserer Arbeit und der Ausstellung präsentieren!

Santaria Vorbereitung-3

Auch die Barbies gehören dazu…! Zuordnen der Objekte im Vorbereitungsraum. Foto: Arne Bosselmann

 

Kommentar verfassen