Zur Entstehung der Ausstellung „Tibetische Nonnen – Widerstand und Mitgefühl“

Ein Blogbeitrag von Heide Koch

„Kennst du vielleicht eine kleine Galerie in Hamburg?“ – mit einer Anfrage über Facebook im Sommer 2013 nahm ein Projekt seinen Anfang, das anders war als alles, was ich bis dahin ehrenamtlich oder beruflich angestoßen hatte: Ein Fotograf in guter Mission, bekannt durch langjährige Dokumentation des Dalai Lama und tibetischer Nonnen – hinreißend schöne Bilder noch schönerer Motive. Allerdings kannte ich Olivier Adam damals persönlich fast gar nicht, den Kollegen eines amerikanischen Bekannten, in Verbindung über die Fotografie, den Buddhismus und das soziale Netzwerk. Wir alle sind in Projekten tätig, die in der einen oder anderen Weise weibliche Praktizierende des Buddhismus fördern, ob nun Ordinierte, Laien oder Yoginis, durch Fundraising beispielsweise, aber auch dadurch, dass ihre Geschichten erzählt, ihre innere Schönheit gezeigt, ihre Qualitäten hervorgehoben werden. Es gibt in der tibetischen Kultur, im Buddhismus, dasselbe Phänomen wie in fast allen Religionen und Gesellschaften:

Tibetische Nonne Foto: Olivier Adam
Tibetische Nonne
Foto: Olivier Adam

Frauen werden – oder wurden vor allem in der Vergangenheit – vom Zugang zu Bildung, vom gesellschaftlichen Aufstieg, von traditioneller Ausbildung und damit auch der Möglichkeit, finanzielle Unabhängigkeit und Freiheiten zu erlangen, weitgehend ausgeschlossen. Häufig legen sie eine unglaubliche Hingabe an den Tag, bringen beeindruckende Fähigkeiten und Begabungen mit, kämpfen sich mit bewundernswertem Fleiß und mit Entschlossenheit durch soziale Tabus, hierarchische Grenzen und Entbehrungen, um doch studieren und in Gemeinschaft oder auch Zurückgezogenheit praktizieren zu können. Es hat sich schon viel zum Guten gewendet, wenn auch noch keine Gleichberechtigung erreicht ist. Und diese Frauen zeigen bemerkenswerten Mut im Widerstand gegen politische Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen.

Aber eine Galerie in Hamburg kannte ich leider nicht – oder glücklicherweise, wie sich herausstellen sollte. Denn Olivier fragte nach einigen Monaten wieder an. Inzwischen kannten wir uns ein wenig näher, soweit man dies über einen Kontakt, der ausschließlich über Chats  lief, sagen kann. Es gab Schnittmengen im Freundeskreis, in der Weltanschauung bis hin zum beruflichen Hintergrund als Physiker bzw. Ingenieurin. „Nein, Galerien kenne ich keine, aber ein Museum, my favourite museum in Hamburg, und sehr nah am CCH, wo Seine Heiligkeit der Dalai Lama Ende August 2014 für einige Tage lehren wird.“ Schon während meiner Jugendjahre war das Museum für Völkerkunde Hamburg für mich einer der beliebtesten Anlaufpunkte für eine Fahrt aus dem Umland nach Hamburg gewesen. Einen Kindergeburtstag meines Sohnes hatten wir hier gefeiert, mein Vater war dort mit seiner Jazzband aufgetreten. Ebenso wusste ich, dass es eine gute Verbindung zum Tibetischen Zentrum der buddhistischen Gelug-Tradition gibt, mit entsprechenden Veranstaltungen und Ausstellungen. Also: „Dort frage ich mal an.“ Ein höfliches, aber doch zurückhaltend-skeptisches „Merci“ im Chatfenster aus Paris. Die Aussicht war wohl zu ungewöhnlich, um realistisch sein zu können, und wer hat schon Zeit, solchen Ankündigungen auch wirklich Taten folgen zu lassen?

Betende Nonne Foto: Olivier Adam
Betende Nonne
Foto: Olivier Adam

Natürlich hatten sowohl das Museum als auch die Tibet Initiative Deutschland schon viel früher daran gedacht, dass der Besuch Seiner Heiligkeit in einigen Monaten bevorstand – Räumlichkeiten und Budgets waren verplant mit einer großen Ausstellung zum hochrelevanten und berührenden Thema „Tibet – Nomaden in Not“. Aber die Fotos von Olivier Adam gefielen der Ausstellungsleitung, ebenso das Thema: Frauen im Buddhismus, die politisch-ethnische Komponente und der Tibetische Buddhismus einmal nicht nur von seiner makellosen Seite: Auch hier gab es Benachteiligung von Frauen. Dies würde das Thema Nomaden gut ergänzen. Also wurde schon bald darauf ein Foto des wunderschönen Eingangsportals per Chat nach Paris gesendet: „Voilà, ta petite galerie!“ Ungläubiges „Ja, das wäre schön…“ am anderen Ende. „Nein, es ist beschlossen!“ – „OMG!!! Really??? But how… Merci!!!“

Sehr junge Nonne in Dolma Ling Foto: Oliver Adam
Sehr junge Nonne in Dolma Ling
Foto: Oliver Adam

Was folgte, waren viel spannende Arbeit, zahllose Telefonate und Emails und auch ein Meeting in Hamburg. Auf der einen Seite die Profis vom Museum mit viel Geduld, Erfahrung und Unterstützung – auf der anderen Seite wir, ein Zwei-Personen-Team zwischen Paris und Hamburg bzw. auf ständig wechselnden Auslandsreisen, beruflich und familiär stark eingespannte Privatpersonen, die ehrenamtlich ein Projekt zur Förderung von buddhistischen Nonnen durchziehen wollten, zugunsten des Tibetan Nuns Project. Olivier ist zuständig für alles Künstlerische und Fototechnische sowie die Verbindung zum TNP, auch zu seiner Vorsitzenden Rinchen Khandro Chögyal, der Schwägerin des Dalai Lama. Seine Bilder, durch die seine liebevolle und respektvolle Beziehung zu den Nonnen spricht, stehen im Mittelpunkt. Ich übernahm alles Organisatorische mit dem Museum, die Verbindung zur Tibet Initiative sowie zum Tibetischen Zentrum; Finetuning, Übersetzung und Abstimmung der Texte und Bildunterschriften und natürlich Marketing über Facebook und in einschlägigen Communities. Ja, und nicht zu vergessen: Die Unterbringung von Olivier und seiner Freundin Dominique bei uns im Haus während ihrer längeren Aufenthalte in Hamburg anlässlich der Ausstellungseröffnung und des Besuchs seiner Heiligkeit des Dalai Lama. Denn inzwischen sind wir drei sehr gute Freunde geworden, trafen uns zum Beispiel im April in Oslo, um weitere Fotoprojekte anzustoßen. Das nächste gemeinsam zu dokumentierende Nonnenkloster ist im Bau. Die Reise geht weiter, mit gleichen Zielen, wenn auch wieder auf unterschiedlichen Routen, aber dann und wann werden sich die Wege wieder kreuzen, vielleicht ja sogar in Hamburg…

Kommentar verfassen