Protestformen – vom Protestsong bis zum Steinwerfer

Das Bibliotheksgespräch am Do 26. Juni | 18.30 Uhr

Ein Blogbeitrag von Andrej Mischerikow, Kulturanthropologe

Trotz der Diskussionen um Facebook- und Twitter-Revolutionen finden politische Demonstrationen noch immer und immer wieder auf Straßen und Plätzen statt. Am Beispiel einer willkürlich ausgewählten Woche im April 2014 in Berlin hat die Wochenzeitung „Die Zeit“ die Demonstrationen visualisiert und damit ein „Panorama des täglichen zivilgesellschaftlichen Protests“ gezeichnet.

Die Form der Straßendemonstration ist also trotz ihrer relativ langen Geschichte immer noch aktuell; etwas Ähnliches gilt für den Streik. Nicht nur die Lokführer und Piloten nutzen diese alte Form, auch beim Onlinehändler „Amazon“ wird immer mal wieder gestreikt. Hier stellt sich die Frage, in welche Weise die Formen von sozialem Protest historisch geworden und inwiefern aktuelle Debatten auch historisch sind. Die für unser Projekt zentrale Frage nach dem Zusammenhang von Form und Inhalt von Protesten muss bei jeder Protestaktion neu thematisiert werden.

Wir haben in einem mehrsemestrigen Studienprojekt neue und alte Handlungs- und Kommunikationsmuster sozialer Bewegungen gesammelt, untersucht und in Zusammenhänge gebracht. Einzelne Themen waren z.B. die Frage nach Kleidung und Mode als Protest, der (Waren-)Boykott, die Musik der sozialen Bewegungen und einiges mehr.

In dem Zeitraum unseres Projektes fand, neben den studentischen Protesten gegen Studiengebühren, auch die Mobilisierung gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm statt. Andere vielfältige Ereignisse und Auseinandersetzungen sollten sich noch nach Ende des Projektes und nach Erscheinen des Buches zeigen. Diese kommen im Projekt leider nicht vor, lassen sich aber mit unserem Ansatz sehr gut beschreiben. Dazu gehören nicht nur der Arabische Frühling und Stuttgart 21, sondern auch die Auseinandersetzungen um Gefahrengebiete in Hamburg und die Gezi-Park-Proteste in Istanbul.

Ein Phänomen, das sich mit unserem Ansatz, also mit den Fragen nach Handlungs- und Kommunikationsmustern analysieren lässt, sind die „neuen“ Montagsmahnwachen, zu denen das Institut für Protest- und Bewegungsforschung in Berlin gerade einen aktuellen Forschungsbericht veröffentlicht hat.

Topaktuell sind jedoch die Auseinandersetzungen in Brasilien zur Fußball-WM. Gezeigt am Beispiel der Street Art.

Mehr zu dem spannenden Thema  erfahren Sie am Do 26. Juni im Bibliotheksgespräch mit Ethnologin Larissa Denk und dem Kulturanthropologen Andrej Mischerikow.

 

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