Projekt „Kolonialismus und Museum“

Ein Blogbeitrag von Gesa Grimme, Mitarbeiterin im Projekt „Kolonialismus und Museum“, Museum für Völkerkunde Hamburg.

„Im letzten halben Jahrtausend unterwarfen sich die Europäer die Welt. Dabei kamen sie mit Menschen in Kontakt, die sie als fremd, wild oder primitiv wahrnahmen. Die postkoloniale Theorie hat diesen Prozess der diskursiven Herabwürdigung als Voraussetzung der europäischen Kolonialherrschaft ausgemacht.“ So lautet der Ankündigungstext zu einem Seminar der Universität Hamburg, das seit Anfang April im Museum für Völkerkunde Hamburg stattfindet.

Das Seminar des Fachbereichs Geschichte ist Bestandteil einer Kooperation des Museums mit der Professur für die Geschichte Afrikas an der Universität Hamburg mit dem Titel „Kolonialismus und Museum“. Als wissenschaftliche Assistentin am Museum für Völkerkunde und Mitarbeiterin des Projekts möchte ich diese Zusammenarbeit, an der ich seit einigen Monaten beteiligt bin, hier kurz vorstellen. Gemeinsam mit Studierenden der Universität Hamburg wollen wir die kolonialgeschichtlichen Hintergründe des Museums neu betrachten. Erste Projektergebnisse sollen der Öffentlichkeit möglichst zeitnah über unseren Museumsblog zugänglich gemacht werden. Hierfür soll auch die kommende App des Museums für Völkerkunde Hamburg genutzt werden: Sie wird unter anderem eine multimediale Führung zu diesem Thema enthalten.

In der bereits erwähnten Lehrveranstaltung von Prof. Dr. Jürgen Zimmerer sollen sich die Studierenden mit Hilfe postkolonialistischer Ansätze mit der „Wahrnehmung des Anderen“ auseinandersetzen. Auf die fortdauernde Aktualität der in dem Seminar thematisierten Praktiken und Repräsentationsweisen macht – nebenbei bemerkt – in sehr sehenswerter Weise das Projekt „Africa for Norway“ aufmerksam.

Das Seminar „Geschichte(n) erzählen - Material Cultures und narrativer Konstruktivismus“ von Dr. Thorsten Logge
Das Seminar „Geschichte(n) erzählen – Material Cultures und narrativer Konstruktivismus“ von Dr. Thorsten Logge

Ein zweites Seminar, das in unseren Räumlichkeiten stattfindet, wird von Herrn Dr. Thorsten Logge geleitet. Im Mittelpunkt stehen die theoretischen Grundlagen des Erzählens von Geschichte. Anhand von Objekten aus dem Museumsbestand haben die Studierenden die Möglichkeit der Frage nachzugehen, welche Rollen Museen und ihre Sammlung dabei einnehmen können.

Auch mehrere Wochen nach Beginn der Seminare sind wir immer noch überrascht, auf welch großes Interesse das Thema bei den Studierenden stößt: Deutlich wurde dies bereits in der Anmeldungsphase zum Sommersemester. Beide Veranstaltungen waren schnell ausgebucht. Die ersten Sitzungen waren dann auch sofort zu unserer großen Freude von lebhaften und kritischen Diskussionen geprägt. Natürlich hoffen wir, dass dies auch in den kommenden Monaten so bleibt.

Im Laufe des Sommer- und des Wintersemesters werden die Studierenden die in den Seminaren erarbeiteten theoretischen Positionen auf Objekte, Ausstellungen und Sammlungen des Museums anwenden und sie verstärkt unter postkolonialen Gesichtspunkten betrachten. Von dieser Zusammenarbeit erhoffen wir uns die Einbringung kritischer Impulse und neuer, vielfältigerer Perspektiven in die Aufarbeitung der Beziehung von Museum und Kolonialismus.

Studierende der Universität Hamburg im Museum für Völkerkunde
Studierende der Universität Hamburg im Museum für Völkerkunde

Das Thema Kolonialismus und Museum stieß aber nicht nur bei Studierenden auf Interesse. Unserer Einladung zu einem Pressegespräch zum Start des Projekts folgten erfreulicherweise nicht nur Vertreter und Vertreterinnen der Presse sondern auch vieler Institutionen, die sich für eine verstärkte Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonial- geschichte einsetzen. In aufgeschlossener und entspannter Atmosphäre stellten Dr. Carl Triesch und Prof. Dr. Jürgen Zimmerer die Kooperation vor und beantworteten ausführlich Fragen zu den Inhalten, Hintergründen und Abläufen des Projekts. Alle Anwesenden waren sich über die zentrale Bedeutung des Themas und die dringend erforderliche Intensivierung seiner Aufarbeitung einig. Die Kooperation von Museum und Jürgen Zimmerer sowie die Einbeziehung von Studierenden wurden als wichtige Beiträge zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands begrüßt. Für den weiteren Projektverlauf wünschten sich die Anwesenden einen regelmäßigen Informationsaustausch über aktuelle Entwicklungen und die Bereitstellung von Ergebnissen aus dem Projekt.

Da wir daher in Zukunft unseren Museumsblog also häufiger als Informations- und Kommunikationsplattform zu und über „Kolonialismus und Museum“ nutzen wollen, möchte ich zum Schluss auch gleich auf einen Radiobeitrag des NDR 90,3 zu unserem Projekt vom 24.04.2014 hinweisen: Zu finden ist er auf der Internetseite von Prof. Dr. Zimmerer, der ihn glücklicherweise verlinkt hat.

Kommentar verfassen