Zauberhafte Puppen – der Aufbau des Puppenbergs im Museum

Ein Blogbeitrag von Anna Lietz, Veranstaltungsabteilung

Mein Name ist Anna Lietz und ich arbeite im Museum für Völkerkunde Hamburg in der Veranstaltungsabteilung. Normalerweise besteht meine Arbeit darin, dass ich bei der Konzeption, Planung  und Durchführung von Veranstaltungen helfe. Direkten Kontakt mit Museumsobjekten habe ich nur einmal im Jahr. Dann darf ich Objekte, die in Seidenpapier eingewickelt sind, aus Kartons rausholen: und zwar dann, wenn Hina Matsuri, das japanische Mädchenfest stattfindet. Dafür wird jedes Jahr im Foyer der Puppenberg hergerichtet. Dieser Puppenberg ist ein Geschenk von Hamburgs Partnerstadt Osaka an unser Museum.

Foto: Anna Lietz
Foto: Anna Lietz

Am 3. März findet in Japan das Puppenfest Hinamatsuri statt. Familien mit Töchtern stellen dafür schöne Puppen auf, die einen Hofstaat aus alter Zeit darstellen. Dies sind nicht die gewöhnlichen Puppen, mit denen das Mädchen jeden Tag spielt. Stattdessen werden Puppen, die in vielen Generationen her in der Familie als Kostbarkeit vererbt wurden, in einem feierlichen Zeremoniell aufgestellt. Vor den Augen dieses Hofstaats empfängt das Mädchen seine Freundinnen und seine Familie und bewirtet sie nach allen Regeln der Etikette. Mit Verbeugungen bezeugen die Gäste einander Respekt und es werden besondere Festtagsspeisen wie kleine Kuchen, Klößchen und süßer Sake herumgereicht. So zeigt sich das Mädchen als vollendete Gastgeberin und Herrin des Hauses für einen Tag.

Am Montag, den 24. Februar 2014, haben die Museumspädagogin und Tibetologin Isabel Lenuck und ich den Puppenberg aufgebaut. Wie viele andere kulturelle Einrichtungen, hat das Museum für Völkerkunde Hamburg montags für Besucher geschlossen. Für die Mitarbeiter des Museums ist es hingegen ein normaler Arbeitstag. Für mich war es ein ganz besonderer Arbeitstag. Als kleines Mädchen habe ich liebend gerne mit Puppen gespielt und daher habe ich mich schon Tage vorher darauf gefreut den Puppenberg aufzubauen.

Foto: Anna Lietz
Foto: Anna Lietz

Als wir ankamen, hatten die Archivare uns schon ca. zehn Kisten ins Foyer gebracht. In den Kisten befinden sich die Objekte für den Puppenberg. Hierzu zählen Puppen, Accessoires, Lackmöbel, kurzum all die Figuren und Dinge, die auf dem Berg zu sehen sind. Ebenso waren in den Kisten die rote Samtdecke, das Metallgerüst des Puppenbergs sowie die Mobiles. Zu Beginn prüften wir ob alle Objekte vorhanden waren und eine Objektnummer hatten. Danach mussten wir das Hina-dan, das stufenförmige Regal aus anderthalb bis zwei Meter langen Brettern aufbauen. Die Anleitung dafür ist auf Japanisch, aber zum Glück auch bebildert, sodass wir jetzt mit Stolz von uns behaupten können, dass wir eine japanische Bedienungsanleitung verstehen – ohne die Sprache zu sprechen. Nachdem das Hina-dan stand, legten wir die rote Samtdecke von unten nach oben auf das Gerüst auf.

Danach konnten wir endlich mit dem Aufbau der Puppen beginnen. Das ist die schönste Arbeit! Die Puppen sind nämlich wirklich zauberhaft. In den Kisten lagern die Köpfe getrennt von den Körpern. Das bedeutet, dass wir sehr darauf achten mussten, dass jede Puppe den richtigen Kopf bekommt. Ebenso hat jede Puppe ihr ganz spezielles Zubehör.

Die wertvollsten Puppen sind die beiden Dairisama. Sie repräsentieren den Kaiser und die Kaiserin und sind in prachtvolle seidene Hofgewänder der traditionellen Zeit gekleidet. Sie sitzen ganz oben auf dem Puppenregal. Zwei Wandschirme halten Zugluft ab und markieren den Ehrenplatz.

 Auf der zweiten Stufe befinden sich die drei Hofdamen, die die drei Lebensalter repräsentieren sollen. Die Älteste sitzt in der Mitte. Sie ist daran zu erkennen, dass sie die Insel der Seligen trägt – ein Tablett mit Kiefer, Bambus und Prunus. Die drei Hofdamen servieren das Festtagsgetränk Shirozake.  Zwischen den Damen befinden sich Ständer mit Kagami-mochi, runden Festtagskuchen.

Foto: Anna Lietz
Foto: Anna Lietz

Darauf folgen fünf junger Männer, die zum Fest aufspielen. Vier halten Instrumente in den Händen, eine Querflöte, eine große Trommel und zwei Sanduhrtrommeln. Der fünfte begleitet seinen Gesang durch ausdrucksvolle Gesten mit einem Fächer.

Auf der nächsten Stufe bewachen zwei Minister die Vergnügungen des Hofstaates. Hierbei trägt der alte Krieger ein schwarzes Gewand und der junge Krieger ein rotes. Dazwischen befinden sich Tabletts mit Festtagsspeisen. Der Alte hat einen langen weißen Bart  – wirklich ganz wunderbar!

Auf der fünften Stufe befinden sich drei untergeordnete Dienstleute, erkennbar an ihren weißen, sprich ungefärbten Gewändern. Diese drei Diener sorgen dafür, dass alles am rechten Platz ist. Sie unterscheiden sich von den restlichen Puppen dadurch, dass sie Emotionen zulassen. Ihre Gesichter zeigen die drei menschlichen Grundstimmungen: Fröhlichkeit, Traurigkeit und Ärger. Dies kommt vom Sake-Trinken! Umrahmt werden die Diener von einem Mandarinen- und einem Kirschbäumchen.

Auf der vorletzten Stufe sieht man die Brautausstattung. Hier entdeckt man einen großen Kasten für Bettzeug und zwei kleine Kästen für Kimonos. Auch sind ein Schminktisch mit Spiegelständer und ein Nähtischchen mit Platz für Spulen zu sehen. Aussteuerkommode und Schminktisch zeigen, dass die kleine Besitzerin einmal heiraten und eine gute Hausfrau werden soll. Ebenso befindet sich auf dieser Stufe ein Schrank mit Utensilien für die Teezeremonie. All diese Utensilien sind aus Lackware.

Ganz unten erinnern Ochsenkarre, Sänfte und Picknickkasten an den alten Brauch des Frühlingsausflugs.

Nachdem wir den Puppenberg hergerichtet hatten, fragten Isabel Lenuck und ich Frau Knödel nach ihrer Meinung. Frau Knödel ist die Leiterin der Asien-Abteilung und extrem bewandert, was den japanischen Puppenberg angeht. Sie erklärte uns, dass die Puppen die Schwerter auf der linken Seite tragen müssen, da sie sie mit der rechten Hand ziehen. Also änderten wir dies.

Anschließend befestigten wir die beiden Mobiles am Geländer bei der Bootshalle. An einem Bambuskreis hängen Schnüre herab, an denen Figuren aus echter Seide befestigt sind. Es gibt hierbei viele unterschiedliche Formen: der Pfirsich vertreibt das Unheil, der Affe soll Gefahr verschwinden lassen und der Hase gilt alt Götterbote.

Anschließend dekorierten wir die Seiten des Puppenberges noch mit zwei Vasen. In der einen befinden sich künstliche Pfirsichblüten. In der anderen sind echte Pfirsichblütenzweige, welche allerdings erst jetzt zum Wochenende hin in voller Blüte stehen werden, genau dann, wenn wir Hina Matsuri im Museum feiern! Pfirsichblüten sind Symbol für Schönheit und Sanftmut – Eigenschaften, die man in Japan, an einem Mädchen sieht. Aber auch wir freuen uns sehr, wenn  Besucher die Schönheit des japanischen Puppenberges wahrnehmen. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Betrachten des Puppenberges – genau so viel wie ich beim Aufbauen hatte!

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