Wüstenzauber – Durch die Wüsten der Welt zu Fuß und mit Kamelen

Live-Multivisions-Show mit Achill und Aaron Moser (Premerie) am So. 8.12.  um 15 und 18 Uhr im Museum für Völkerkunde Hamburg

Ein Blogbeitrag von Achill Moser, Fotojournalist und Buchautor

Die Wüste: Sand, unerträgliche Hitze, kilometerweit weder Menschen noch Wasserstellen. Wer glaubt, diese Landschaft bestünde lediglich aus solchen eher negativen Attributen, irrt gewaltig. Denn in Wahrheit sind die Wüsten hochkomplexe und lebendige Gebiete, die mit ihren ganz eigenen, oft extremen biologischen Gesetzen zu den faszinierendsten Regionen dieser Erde zählen – geprägt von ebenso schlichter wie eindrucksvoller Schönheit.

Bereits als Siebzehnjähriger reiste ich erstmals in die Wüste. Damals war ich im Süden

Achill und Aaron Moser wandern durch das Sandmeer der Sahara
Achill und Aaron Moser wandern durch das Sandmeer der Sahara

Marokkos unterwegs, wo sich die Sahara ausdehnt, die größte Wüste der Welt, die die Araber Bahr bela Ma nennen – »Meer ohne Wasser«. Nichts konnte damals meinen Blick mehr bannen als diese endlose Weite, in der ich glückliche Tage voller faszinierender Naturerscheinungen erlebte. Meine Begeisterung und Neugier für die Wüsten der Welt und mein Wunsch, ihre Geheimnisse zu erfahren, waren geweckt. Damals ahnte ich schon, dass mich die Wüste nicht mehr loslassen würde. Denn es war Liebe auf den ersten Blick.

Leben wie ein Nomade

Seit jenen Tagen hat nichts mein Leben, mein Denken und Fühlen nachhaltiger beeinflusst

und verändert als die Wüsten der Erde, die für mich atemberaubende Räume der Schönheit und Stille sind. Magische Räume jenseits aller Vorstellungskraft: maßlos, unberechenbar, lebensfeindlich.

Im Laufe der Jahre lebte ich bei vielen Nomadengemeinschaften in der Wüste. Fast immer wurde ich mit Wohlwollen aufgenommen, obgleich viele Wüstenbewohner von Armut und Hunger bedroht sind. In der Achtung vor dem Nächsten zeigten mir die Nomaden ihre selbstlose Gastfreundschaft. Vor allem erfuhr ich Hilfsbereitschaft und Freundschaft, während ich mich an ihre traditionellen Lebensumstände anpasste, und von ihnen lernte, wie man allein in der Wüste zurechtkommt, wie man dort lebt und überlebt.

28 Wüsten zu Fuß und per Kamel

Durch die Wüsten der Welt - zu Fuß oder mit Kamelen
Durch die Wüsten der Welt – zu Fuß oder mit Kamelen

Inzwischen habe ich mir in vier Jahrzehnten 28 Wüsten auf 5 Kontinenten erwandert – zu Fuß und per Kamel, in einer Geschwindigkeit, in der die Seele Schritt hält. Mehr als 2000 Tage habe ich in den grandiosen Einöden verbracht und rund 20 000 Kilometer wie ein Nomade zurückgelegt.

Sven Hedin (1865-1952), der große Erforscher der asiatischen Wüsten, sagte einmal: Jedermann braucht eine Wüste. So geht es auch mir. Hin und wieder brauche ich einfach ein Stückchen Einöde, in der ich mich völlig frei bewegen kann. Ohne die »Erlebniswelt Wüste« würde ich vermutlich eingehen wie ein Fisch auf dem Trockenen, denn zwischen windgeformten Sanddünen, bizarren Felsformationen und dem von Horizont zu Horizont reichenden Himmelsblau fühle ich mich einfach wohl. Und so wurden die grenzenlosen Weiten aus Sand und Stein für mich zur Droge, von der ich auch nach mehr als 35 Expeditionen noch immer nicht lassen kann.

Unterwegs mit meinem Sohn Aaron

Auch mein Sohn Aaron (21) ist mittlerweile vom Unterwegssein in der Wüste begeistert.

Seit seinem 14. Lebensjahr hat er mich hin und wieder in die Einöde begleitet, soweit es seine Schulferien ermöglichten. Ich erinnere mich noch an sein erstes Fazit (mit vierzehn Jahren) nach einer dreiwöchigen Kameltour durch die ägyptische Wüste Sinai: „Wenn es mir mal schlecht geht, gehe ich in die Wüste!“ Mit einer so positiven Reaktion hatte ich nicht gerechnet, denn unser Kamel- und Fußmarsch durch das Land der Bibel und

Beduinen war voller Anstrengungen gewesen, die Aaron in bewundernswerter Weise meisterte, ohne sich auch nur einmal zu beklagen. In 21 Tagen waren wir kreuz und quer über die Sinai-Halbinsel gewandert, um in einem entlegenen Wüstenwinkel zu einer 200 Meter langen Sandsteinformation zu gelangen, die wie ein ruhender Saurier wirkte. Ein imposantes Steingebilde, das von der Erosion in Jahrmillionen geformt worden war und den Beduinen seit undenklichen Zeiten als Begegnungsstätte und Wegmarke gilt. Begleitet wurden wir von zwei Beduinen: Hamed, ein guter Freund, dessen Familie seit Generationen in der Wüste lebt, und sein Neffe Machmud. Ein Glücksfall für meinen Sohn, denn in Machmud hatte er einen gleichaltrigen Gefährten an seiner Seite. Die beiden verstanden sich auf Anhieb, hatten eine Menge Spaß und wurden nicht müde, sich in einem Kauderwelsch aus Arabisch, Deutsch und Englisch auszutauschen.

Ruhepause in der Sahara: Achill und Aaron Moser genießen den traumhaften Weitblick
Ruhepause in der Sahara: Achill und Aaron Moser genießen den traumhaften Weitblick

Ganz behutsam führte ich meinen Sohn damals an die Wüste heran – und jeden Tag lernte Aaron im Sinai etwas Neues: Machmud zeigte ihm die spärlichen Pflanzen der Steinwüste, das Holz des Kapernbusches, das die Beduinen als Brennmaterial schätzen. Er erfuhr, dass Akazien als Zuckerbrot der Dromedare gelten, dass sich die Samen der Wüstenpflanzen durch den Kamelmist verbreiten – und das die olivgrünen Kügelchen auch zum Feueranzünden genutzt werden – oder als Spielsteine. Machmud zeigte ihm auch, wie man aus Mehl, Wasser und Salz einen Brotteig knetet und zu einem Fladen formt, der in der heißen Holzasche gebacken wird. Auch lernte Aaron das meterlange Turbantuch (den Chech) wie ein Beduine um den Kopf zu wickeln, das vor Sonne, Wind und Fliegen schützt. Ebenso hat er gelernt auf einem Dromedar zu reiten, er hat Wüstenfüchse, Skorpione und Schlangen um unser Biwak entdeckt – und auf dem Gipfelplateau des Mosesberges, in einer Höhe von 2285 Metern, wo wir in Schlafsäcken übernachteten, hat er eine unglaubliche Stille erlebt. Dort wölbte sich über uns die Milchstraße – und am nachtschwarzen Himmel stand ein heller Mond. Sternschnuppen regneten über der Wüste.

Das waren Bilder für die Ewigkeit. Kein Zweifel: Wer durch die Wüste wandert, kommt bei sich selbst an.

Viele abenteuerliche Erlebnisse und Erfahrungen, die ich in den Wüsten der Welt machte, habe ich vor allem in meinen aktuellen Büchern festgehalten: „Das Glück der Weite – Fünf Jahre in den Wüsten der Welt“ und „Von der Wüste und vom Meer“. Beide Bücher sind im Hoffmann und Campe Verlag erschienen.

Weitere Informationen: www.achillmoser.de

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