Blumen – Bäume – Göttergärten

Hamburg, Besuch der Ausstellung am 29. / 30. August 2013

Ein Blogbeitrag von Jorrit Britschgi, Kurator für Indische Malerei am Rietberg-Museum Zürich

Altehrwürdig wird man im spät-Jugendstil-zeitlichen Entrée des Hamburger Museums für Völkerkunde begrüsst. Eher dunkel gehalten bildet die Eingangspassage einen veritablen Kontrapunkt zu der Leuchtkraft der indischen Pigmentmalerei, die schon bald aus einem der Seitenflügel entgegen blitzt.

Foyer Museum für Völkerkunde Hamburg
Foyer Museum für Völkerkunde Hamburg

Die vom deutschen Sammler Prof. Dr. Ludwig Habighorst konzipierte und in enger Zusammenarbeit mit dem Museum entwickelte Sonderausstellung vereint  an die hundert Bilder aus dem indischen Subkontinent. Abgesehen von einer Seitenkoje, in welcher die wichtigsten Eigenheiten und Stilentwicklungen der indischen Malerei gezeigt werden, ist der Fokus dieser Ausstellung auf das Florale gelegt. Unter dem Titel Blumen- Bäume -Göttergärten werden die Pigmentmalereien auf Papier so gruppiert wie es sonst eher weniger kennt. Ausstellungen mit indischer Malerei konzentrieren sich oft auf Fragestellungen des Inhaltes, der Ikonographie, der Stilentwicklung (Wirkstätten und Künstler) oder ästhetischen Punkte und dass man angehalten wird, sich auf Bäume, Blumen und Gärten zu konzentrieren, ist erhellend. Beim gemeinsamen Besuch der Ausstellung mit dem Kurator liess sich vieles entdecken, was dem flüchtigen Blick vielleicht verborgen geblieben wäre: wunderbare Baumgruppen, persisch inspirierte Gartenanlagen, reiche florale Ornamentik auf Textilien und vieles mehr. Es ist in der Tat ein Göttergarten (eine Wortfindung des Sammlers, wie er lachend anfügt), der den Besuchern hier offenbart wird.

Dr. Jorrit Britschgi, Kurator für Indische Malerei am Rietberg-Museum Zürich
Dr. Jorrit Britschgi, Kurator für Indische Malerei am Rietberg-Museum Zürich

Die durch den Titel suggerierte Konzentration auf bestimmte Bildelemente ist auch in der Gestaltung durchexerziert: ein langer Zugang führt an den thematisch ausgerichteten Seitenkojen vorbei, welche die intime Betrachtung der Bilder ermöglichen. Die Bilder sind grösstenteils ohne Passepartouts ausgestellt, was den Blick auf die Borten und deren Gestaltung erlaubt. Dass die Bilder leicht angewinkelt ausgestellt sind, erleichtert die Betrachtung und die Glasvitrinen ermöglichen zugleich, den Blick in den nächsten Raum schweben zu lassen.

Ludwig Habighorst hat in der Vergangenheit bereits einmal mit dem Museum Rietberg zusammen gearbeitet, als wir die Ausstellung „Genuss und Rausch“ mit Werken aus seiner Sammlung präsentierten. Nach dem Besuch der gelungenen Ausstellung in Hamburg sind wir froh, dass wir eine auf unser Publikum und unsere Räume zugeschnittene Version dieser Ausstellung in Zürich zeigen können, voraussichtlich im Frühjahr 2015.

Jorrit Britschgi, Museum Rietberg Zürich

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