Maler als Miniaturensammler

Die Designerin Kathrin Romer, der Ausstellungsmanager Dr. Carl Triesch und der Fotograf Paul Schimweg haben nur gestaunt, als sie die ersten Vergrößerungen einer indischen Miniatur sahen; daraus wurde der fast drei Meter hohe Sandelholzbaum, der jetzt in der Ausstellungshalle steht. An seinem Stamm winden sich Schlangen hoch. Die kleinen Bilder aus Indien sind so subtil und präzise gemalt, das auch auf extremen Vergrößerungen jede Einzelheit scharf abgebildet ist.

Kein Wunder, dass sich unter den Sammlern indischer Miniaturen viele Maler finden, die diese sehr spezielle Kunst ihrer Kollegen bewundern. Rembrandt war wohl der erste europäische Maler, der seine Moghulminiaturen als Vorlage eigener Bilder benutzte. Seine Sammlung wurde noch zu seinen Lebzeiten wegen finanzieller Engpässe öffentlich versteigert. In Europa sammelten später der deutschstämmige englische Maler und Kunstpädagoge William Rothenstein, der Münchener Bühnenmaler und Buchillustrator Emil Preetorius (1883-1973), die schweizerische Bildhauerin und Malerin Alice Boner (1889-1981), die auch den Tänzer Uday Shankar förderte, später der hochdekorierte britische Maler Howard Hodgkin (geb. 1932) mit einer herausragenden Sammlung
und der deutsche Maler Klaus Fussmann (geb. 1938).
Noch interessanter sind die Miniatursammlungen von Malern in Indien und Pakistan, weil sie eine Fundgrube und Quelle für westliche Sammler und Museen sind. In unserer Ausstellung befinden sich Bilder aus den Sammlungen von Ramgopal Vijayvargiya (1905 -2003) in Jaipur mit vier Bildern aus Rajasthan, und acht Pahariminiaturen des pakistanischen Nationalmalers Abdur Rahman Chughtai  (1897- 1975); er wurde im vorigen Jahr zur 65jährigen Unabhängigkeit von Pakistan mit einer
Briefmarke geehrt.

Blogbeitrag Habighorst1Ramgopal Vijayvargiya, Jaipur, 2002  Blogbeitrag Habighorst2Briefmarke mit Portrait von A.R. Chughtai, 2012

Auch die Miniaturensammlung des lange in Indien lebenden russischen Malers Svetoslav Roerich (1904-1993) wurde nach seinem Tod in alle Welt zerstreut. Er war der Sohn von Nicolas Roerich, der als Bühnenmaler, Theaterdesigner und Esoteriker in St. Petersburg, Paris, New York und danach in Indien berühmt wurde, als er die Opern und Ballette von Strawinsky ausstattete und Expeditionen nach Tibet und in die Mongolei unternahm. Von Svetoslav Roerich gemalte Porträts von Nehru und Indira Gandhi hängen in der Central-Hall des indischen Parlaments. Aus der Roerich-Collection stammen drei Bilder unserer Hamburger Ausstellung. Vom großen alten Mann der indischen Kunst, dem Kunsthistoriker und berühmten Connaisseur, Jagdish Mittal (geb. 1927) kommt ein Bild unserer Schau. Zusammen mit Vijay Sharma konnte ich ihn 2006 in Hyderabad besuchen.

Blogbeitrag Habighorst3

Besuch bei Jagdish Mittal, 2006

So sind die verschiedenen Provenienzen ein kleines Kapitel der Sammlungsgeschichte, die jedem der Bilder eine eigene Aura geben und die oft gestellte Frage beantworten, woher die Jahrhunderte alten Bilder aus Indien kommen.

Grüße nach Hamburg,
Ludwig Habighorst

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