Veranstaltung: „Achtung eine Durchsage“

Hallo! Mein Name ist Marjan Parvand und ich habe am 11. November 2012 die Lesung „Teheran im Bauch“ von Mathias Kopetzki moderiert. Und ich hatte neulich ganz viel Freude mit der Deutschen Bahn…

Ich will mit der Bahn nach Köln zur ordentlichen Mitgliederversammlung von Diwan e.V. fahren; UND ich bin erstaunt über mich selbst. Denn es ist ein trüber Novembermorgen und eiskalt in Hamburg. Die Uhr zeigt 7 Uhr 35 an. Vor einer halben Stunde habe ich mich brav aus meinem warmen und gemütlichen Bett gepellt und bin zum Hamburger Hauptbahnhof gefahren. Die Fahrt nach Köln dauert vier Stunden und ich will unbedingt pünktlich zur Mitgliederversammlung um 13 Uhr in Köln sein. Doch dann das: „Achtung eine Durchsage für Gleis 14. Der ICE 1232 nach Stuttgart über Köln hat eine Verspätung von voraussichtlich 40 Minuten!“

Ich koche innerlich – äußerlich schnappe ich mir meine Tasche und fange an schnellen Schrittes Richtung Rolltreppe zu gehen. Ich will die Fahrkarte zurückgeben und dann wieder in mein Bett. Plötzlich bleibe ich stehen und denke an die Ziele des Vereins. Ein Ort der Begegnung von Deutschen und Iranern; ein Ort des Austausches; ein Ort der kulturellen Annährungen. Ich kehre um und setze mich auf eine eiskalte Bank am Bahnsteig.

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Mathias Kopetzki, Autor des Buchs „Teheran im Bauch“

Der wundervolle Hörsaal des Völkerkunde Museum…

Ich engagiere mich ehrenamtlich für Diwan e.V. in Hamburg. Das bedeutet die Investition von viel Zeit und Kraft für diesen noch jungen Verein und seines noch jüngeren Zweiges in Hamburg. Das letzte Projekt war eine Lesung im Hamburger Völkerkunde Museum. Mathias Kopetzki hat aus seinem wunderbaren Buch „Teheran im Bauch“ gelesen und ich habe moderiert.  Es war ein großer Spaß. Der Autor ist trotz seines tollen Buches bodenständig und bescheiden geblieben. Das Gespräch mit ihm war lebendig und das Publikum sehr aufmerksam und mit klugen Fragen dabei. Außerdem ist es immer etwas Besonderes im alt ehrwürdigen Hörsaal des Völkerkunde Museum zu sein – ein wunderschöner hoher Raum mit alten Holzbänken samt kleinen ausklappbaren Tischen, wie früher an der Universität. Zu unserer Lesung waren gut 70 Personen erschienen. Für den Zweig des Diwan Vereins in Hamburg ist das ein großer Erfolg. Schließlich ging es um ein Buch, das sich mit einem Land beschäftigt, welches vor allem durch negative Schlagzeilen in den Nachrichten auffällt. Gerade als Deutsch-Iranerin ist es mir wichtig diesen negativen Schlagzeilen etwas entgegenzustellen.

„Wurde auch Zeit…“

Ich war in diesen Gedanken versunken, als plötzlich Geschäftigkeit auf Gleis 14 aufbrach. Die Menschen um mich herum schnappten ihre Taschen, einige murmelten „Endlich!“ oder „Wurde auch Zeit!“ Die 40 Minuten waren verstrichen und ich hatte es gar nicht gemerkt. Der Zug rollt ein und ich setze mich an einen Fensterplatz. Es ist warm in dem Abteil und mein Groll über die deutsche Bahn verstrichen. Plötzlich war ich sehr froh, mein anfängliches Ziel nach Köln zur Mitgliederversammlung zu fahren, nicht aufgegeben zu haben. Oder anders gesagt: es wurde Zeit, dass der Zug einrollt, es wird aber auch Zeit, dass es mehr und mehr deutsch-iranische Begegnungen gibt, die über die bloßen Klischees und die negative Berichterstattung über den Iran hinausgehen. In diesem Sinne: hoch lebe der Diwan e.V.!

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