Aktionen: Tourtagebuch, erster Teil: von Sem, Sprotten und Schwänen

Hallo, wir sind Julia Grosser und Fabian Hertel und plaudern hier ein bißchen aus dem Nähkästchen. Wobei, das Nähkästchen wiegt in diesem Fall eine halbe Tonne und ist ein Koffer. Ein ziemlich großer. Schließlich müssen fünf Hamburger Kulturinstitutionen darin Platz finden. In den Koffer wurden gepackt: die Ballinstadt – Auswanderermuseum, das Internationale Maritime Museum Hamburg, das Museum für Völkerkunde Hamburg, das Planetarium Hamburg und der Tierpark Hagenbeck.  So voll geladen chauffieren wir den Koffer entlang der Nord- und Ostseeküste und präsentieren fünf Weltreisen in einer Stadt. Das Ganze soll zwei Monate dauern. Nun ist Halbzeit, also ein günstiger Moment für ein Zwischenfazit unserer Reise.

In der schönen Lübecker Innenstadt war am 5.7. bei strahlendem Sonnenschein Tourauftakt – für den Koffer und für uns. Premiere geglückt!

 

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Tourauftakt in der Lübecker Fußgängerzone

Auch die kleine Ostseestadt Eckernförde begrüßte uns mit blauem Himmel. Vom 6.-8.7. klappten wir den Koffer auf dem Eckernförder Sprottenfest auf. Gute Stimmung empfing uns. Der namensgebende Fisch leider weniger. Auf dem Sprottenfest waren Sprotten Mangelware. Dafür haben wir mit den Standnachbarn gleich Freundschaft geschlossen, allen voran mit dem Schmied Patrick Schloßer. Eine Bekanntschaft, die uns zum Ende des Festes noch vom Dahinschwimmen im plötzlich auftretenden Wolkenbruch retten sollte. Danke für’s Helfen beim Aufladen des überdimensionalen Reisegepäcks, Patrick!

Dieses unschöne Wetter sollte sich in Travemünde am darauffolgenden Wochenende fortsetzen. Wenn es in Strömen gießt und man sich unter dem Regenschirm verstecken muss, hat man eigentlich wenig Lust, einen unserer Flyer genauer zu studieren. Beim Aufklaren sollte sich dann aber wirklich zeigen, warum das Interesse an unserem Koffer an diesem Tag eher mäßig war: eine Schwanenfamilie hatte sich unweit von uns platziert und sorgte für Begeisterung auf der Promenade – da war kein Platz für Hamburg im Koffer. Diesem hat der ganze Regen übrigens überhaupt nichts ausgemacht – er sieht immer noch blendend aus (gebaut wurde der Koffer übrigens von Thore Schindowski: http://www.schindowski.info/).

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Travemünde: Familie Schwan war der Stargast der Promenade – zeigte aber wenig Interesse an unseren Kultur-Coupons…

Und weiter ging es nach Heiligenhafen, einem Küstenstädtchen kurz vor Fehmarn. Hier wurde ein Hafenfest gefeiert. Im Gegensatz zur Eckernförder Sprotte war der Hafen hier durchaus vorhanden. Im Mittelpunkt: natürlich wir mit unserem Koffer – in harter Konkurrenz zu „Benitos Mutzen“ und allerhand anderen Köstlichkeiten.

 

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Heiligenhafen: Riesenrad und Sonnenschein!

Zu seiner nächsten Station trieb es den Koffer weiter in den Osten – nach Boltenhagen. Von der Seebrücke hat man hier einen wunderschönen Blick auf Meer und Küste. Leider verhinderte dichter Regen den Blick darauf, weshalb viele Promenaden-Spaziergänger Unterschlupf in unserem Koffer finden mussten.

Grömitz. Nein, Grömitz ist nicht eine Figur aus der Muppetshow, sondern ein wirklich putziger Ort an der Ostseeküste. Gleich nachdem wir unser Lager im sympathischen Ostseejugendcamp aufgeschlagen hatten, stellten wir unseren Koffer neben das Freizeitbad Grömitzer Welle mit fantastischem Blick auf weißen Strand und blaue See. Was wir in Grömitz leider nicht mehr geschafft haben, betrübt vor allem Fabian ganz besonders: Er wäre so gerne mit der Tauchgondel  gefahren, die wir die ganze Zeit vom Koffer aus weiter draußen an der Seebrücke sehen konnten – so müssen wir uns also bei Gelegenheit noch mal in den Zug setzen – die Ostsee ist halt immer eine Reise wert!

Nicht nur in Grömitz haben wir übrigens ganz oft, wenn wir Vorbeiflanierenden unsere Flyer anboten, den Satz gehört „aber wir kommen doch aus Hamburg, das brauchen wir nicht“. Hier stellt sich für uns die Frage, warum manch Hamburger anscheinend kein Interesse an seinen eigenen Museen hat. Oder möchte man als stolzer Hansestädter gar auf die von uns angebotenen Ermäßigungen verzichten und lieber den Vollpreis zahlen – der Hamburger Kultur zu liebe? Wir sind hier noch nicht zu einer schlüssigen Erklärung gekommen. Was meint ihr? Geht man als Hamburger vielleicht viel zu selten mal in das Museum, Sternentheater oder den Tierpark vor der eigenen Tür?

So oder so: Das Fazit nach dem ersten Reiseabschnitt mit dem Koffer kann nur positiv ausfallen. Spaß bei jedem Wetter, freundliche Gespräche und reges Interesse an den kulturellen Möglichkeiten Hamburgs sowie zahlreiche Komplimente für unseren schönen Koffer. Mit diesen Erfahrungen steigt die Vorfreude auf die weitere Reise im August noch weiter. Auf der Kofferagenda stehen unter anderem Lüneburg und die Lange Museumsnacht in Kiel! Die aktuellen Termine finden sich auch auf der Facebookseite vom Koffer. Wir sehen uns!

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