Schatzkammer: Herzig

Heute wird es herzig im Blog.

Ich kann mich ja nicht immer darüber auslassen, dass ich leider kein botanisches Kristallkarten-Set im Sortiment habe. Traurig? Ja, ich auch. Aber ich habe doch ansatzweise einen Sinn für Realität entwickelt. Nein, das ist kein Fremdwort.

Meine Realität in den letzten Tagen bekam einen ganz entzückenden Zuwachs. Büchermenschen sind ja prinzipiell schon mal toll, weil sie mehr Freunde haben als Nichtleser. Ich bin nämlich ganz sicher, dass die Freundschaft z.B. zu Hadschi Halef Omar intensiver ist, wenn man ihn erlesen hat, als wenn man „nur“ den Film gesehen hat.

Zwei etwas betagtere Büchermenschen spazierten im Museum, im Restaurant und im Laden herum. Sie setzten Lesebrillen auf und freuten sich von Buch zu Buch. Schließlich entschieden sie sich für eine 2,3kg schwere Literatur aus unserem Antiquariats-Korb: „6000 Jahre Geschichte“ ein Wälzer mit einer Menge Buchstaben und Bildern darin. Die beiden, durch Händchenhalten unverkennbar als Paar erkenntlich, trabten also mit dem Buch zur Kasse.

Er: „Was meinen Sie, wenn wir das kaufen, können wir das dann später bei Ihnen abholen? Rumschleppen ist anstrengend.“ 

Ich: „Gerne. Wer schleppt schon 6000 Jahre mit sich rum.“

Sie: „Na, manchmal fühlt man sich schon so alt.“

Er (guckt sie glücklich an): „Glück hält jung.“

Buchhändlerin schmunzelt begeistert.

Er: „Erkennen Sie mich denn auch wieder, wenn ich das Buch nachher abhole? Gucken Sie, ich habe ein paar graue Haare, daran können Sie sich das merken.“

Sie: „ Dich erkennt man doch immer daran, dass Du der Schönste bist.“

Buchhändlerin guckt herzig, als Er und Sie fröhlich Richtung Inkagalerie weitergehen. Händchen haltend, versteht sich.

Und am Abend werden sie sicher gemeinsam auf dem Sofa sitzen, und in 6000 Jahren Geschichte blättern. Herzig.

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