Veranstaltung: Kinderarbeit in Ecuador

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Liebe Freundinnen und Freunde des Museums für Völkerkunde Hamburg,

liebe Studentinnen und Studenten und liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

mein Name ist Elisabeth Weller. Ich arbeite seit nunmehr einem Jahr in der Bibliothek des Museums für Völkerkunde Hamburg und lade euch alle ganz herzlich zum zweiten Bibliotheksgespräch ein. Am Donnerstag den 12. April um 18.30 Uhr werde ich in diesem Rahmen über meine Feldforschung zu „Kinderarbeit in Ecuador“ berichten und freue mich auf spannende Gespräche und Diskussionen.

Hier ein erstes Zitat zur Einstimmung auf den Vortrag:

„Die 12-Jährige Alexandra, die 12-Jährige Frauke, die 10-Jährige Aida und der 11-Jährige Florian haben eines gemeinsam: sie wollen arbeiten. Und zwar gegen Geld. Alexandra, Frauke und Florian sind zufrieden. Sie finden immer wieder Beschäftigungen. Frauke geht z.B. Kellnern, Florian hilft nachmittags auf einem benachbarten Bauernhof aus, während Alexandra sich gern um alte kranke Leute kümmert. Nur die kleine Aida sucht noch verzweifelt nach einer Arbeit. Doch niemand will sie einstellen, denn damit macht sich ein Arbeitgeber strafbar.“ (gegenlicht 03/2012: http://www.gegenlichtfilm-kaiser.de/aktuell/bin-zehn-suche-arbeit.html)

Was meint ihr? Woher kommen Alexandra, Frauke, Aida und Florian? Zugegeben, die Namen lassen es vielleicht vermuten: aus Deutschland. Silvia Kaiser portraitiert diese Kinder in ihrem Film „Bin zehn, suche Arbeit. Wenn Kinder Geld verdienen“ (ZDF/2006) und beschäftigt sich darin mit Kinderarbeit in Deutschland. „ProNATs – Verein zur Unterstützung arbeitender Kinder und Jugendlicher“ beschreibt den Kontext des Filmes wie folgt:

„Wurde die Abschaffung der Kinderarbeit lange Zeit als soziale Errungenschaft gefeiert, sieht die Realität heute anders aus: Kinderarbeit in Deutschland ist ein Massenphänomen. Weit über die Hälfte aller Kinder tragen Zeitungen aus, Kellnern, betreuen Babys, gehen einkaufen für Alte und Kranke oder jobben sogar am Bau; das haben wissenschaftliche Untersuchungen ergeben. Und noch viel mehr, fast 90 Prozent, würden es gern tun. Dabei ist es in Deutschland per Gesetz erst Jugendlichen ab 15 Jahren erlaubt, durch Arbeit Geld zu verdienen.“ (ProNATs 03/2012: http://www.pronats.de/materialien/materialhinweise/filme/)

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Mit diesen Zitaten möchte ich verdeutlichen, dass das „Phänomen Kinderarbeit“ nicht, wie häufig angenommen, weit weg von unserer Realität ist. Gleichzeitig möchte ich das pauschal negative Bild, welches dem Schlagwort anhängt, in Frage stellen. Nicht nur die ProtagonistInnen des oben erwähnten ZDF-Films arbeiten gerne oder setzen sich dafür ein, arbeiten zu dürfen. Auch in Quito sind mir Kinder begegnet, die gerne arbeiten.

Der Kindersoziologe Prof. Manfred Liebel ist Mitbegründer von ProNATs und kommt auch im genannten Film zu Wort. Sein Name ist mir außerdem während meiner Recherche in Quito im Kontext von sozialen Bewegungen arbeitender Kinder in Lateinamerika immer wieder begegnet. Erfreulicher Weise kam es nach meiner Rückkehr nach Deutschland zu einem Treffen in Berlin. Im  Auftrag von Cristiano Morsolin, einem italienischen Sozialwissenschaftler, der auch in Quito geforscht hatte, übergab ich Manfred Liebel dessen Studie, und erhielt im Gegenzug ein interessantes und inspirierendes Gespräch. Diese Begegnung symbolisiert für mich die Verbindung unterschiedlichster Lebenswelten und ein gemeinsames Ziel: Solidarität mit arbeitenden Kindern, ihre Anerkennung als soziale Subjekte und die Stärkung ihrer Rechte.

Ich hoffe, dass ihr neugierig geworden seid und wir uns am 12. April um 18.30 Uhr im kleinsten und schönsten Lesesaal der Stadt sehen.

 

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