Schatzkammer: Ich WILL einen Skarabäus!

Soll man wollen? Oder möchte man dürfen?

„Ich WILL einen Skarabäus!“

Das ist ein denkbar schlechter Gesprächseinstieg. Besonders in der Eltern-Kind-Kommunikation.

Im Kundin-Buchhändlerin-Gespräch liegt die Sache ein bisschen anders. Wenn Menschen Bücher WOLLEN, SOLL eine Buchhändlerin sie nicht aufhalten. Natürlich ist ein „Ich MÖCHTE bitte einen neuen Krimi“ schöner als „Ich WILL ein peruanisches Kochbuch“ oder „Sie DÜRFEN mir ein Zweitbuch verkaufen“.

 „Ich WILL einen Skarabäus!“  kam von einer älteren Dame und stellte mich vor ein Problem.  Wäre es ein Kind gewesen, hätte ich eine Augenbraue fragend hochgezogen und gesagt:

„Was MÖCHTEST Du?“

Kann man ja nicht machen, bei Damen.

Mein Problem war eher, ihrem Wunsch angemessen zu entsprechen. Denn: Die aktuelle Skarabäen-Auswahl unseres Sortiments kommt schon fast einer Käferplage gleich. Abgesehen vom Buch „Der magische Skarabäus“ haben wir aktuell einen geflügelten schwarz goldenen Skarabäus, einen blau-grünen zum an-den-Schlüssel-hängen, einen großen schwarzen mit Hieroglyphen zum Bestaunen und einen gemalten auf Papyrus.

Also frage ich zurück:

„Was für einen möchten Sie denn haben?“

„Ich WILL einen Skarabäus!“

Ja. Das habe ich schon verstanden.

Ich breite die Auswahl aus und gebe erklärendes Buchhändlergesäusel ab.

„Ich WILL einen Skarabäus! So einen mit nem Loch drin!“

Aha. Wir kommen der Sache näher, entfernen uns aber gleichzeitig. Hab ich nämlich nicht. Meine sind alle heil.

„Es tut mir leid, aber ich habe nur diese hier. Darf ich Ihnen einen anderen bestellen?“

„Nein, ich WILL einen Skarabäus. So einen aus Gold. Dann eben nicht!“

Sprach es und ging. Für mein Empfinden war das eine sehr einseitige Kommunikation. Und unbefriedigend dazu. Aber irgendwie bin ich ganz froh, dass ich kein Käferlein in wollende Hände geben musste. Ich SOLL zwar so nicht denken – ist unwirtschaftlich  – aber ich MÖCHTE immer gerne ein achtsames Zuhause für Bücher oder Käfer. Oder Mammuts.

 

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