Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Märchengeburtstag!

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Das Aschenputtelspiel

„Woher kommen Ihnen nur all diese tollen Ideen?“, werden wir Museumspädagogen häufig von den Besucherinnen und Besuchern gefragt.

Nun, in erster Linie stammen sie meist aus unseren studierten Fächern. Die Museumspädagogen des Museums für Völkerkunde Hamburg haben Ethnologie, meist in Kombination mit einem regionalen Schwerpunkt studiert: Afrikanistik, Ägyptologie, Mesoamerikanistik oder Tibetologie – um nur einige Beispiele zu nennen. In Feldforschungsaufenthalten haben wir intensiven Kontakt mit „unserer“ Ethnie bekommen und diese erworbenen Kenntnisse gilt es nun, auf vielfache Art und Weise zu vermitteln.

Soweit zur Theorie. Nun zur Praxis! 🙂

Für mich ist das spannende an der Museumspädagogik, dass man sich seine Arbeitsbereiche immer wieder komplett neu und selbst erschaffen kann!

Zum einen bekommen wir Anregungen aus den wechselnden Sonderausstellungen, zu denen wir uns neu einarbeiten und für die jedesmal aufs Neue ein pädagogisches Rahmenprogramm konzipiert wird. Dazu haben wir in der Regel vollkommen freie Hand. 🙂

Steht gerade einmal keine Ausstellung an, die meinen Themenbereich betrifft, dann suche ich mir einen Aspekt, zu dem ich mehr erfahren oder etwas wieder einmal vermitteln möchte (dazu habe ich eine Auswahl von 700.000 Objekten), eigne mir an, was ich noch nicht darüber weiß (dazu nutze ich unsere wundervolle Bibliothek), überlege mir ein passendes Vermittlungskonzept und biete es interessierten Besucherinnen und Besuchern an (dafür stehen mir ca. 5000 qm Ausstellungsfläche zur Verfügung! Hurra!).

Die Vermittlung erfolgt natürlich, je nach Zielgruppe, auf unterschiedliche Art und Weise. Bei Erwachsenen häufig eher theoretisch, für Kinder und Jugendliche mit einem erweiterten Praxisanteil. Es gibt Führungen für Einzelbesucher, Gruppenführungen (Touren und Gespräche), Praxisangebote für Erwachsene (Kurse) und Kinder (Offene Werkstätten), Firmenveranstaltungen (Veranstaltungspakete) und Kindergeburtstage (Geburtstage). Dabei beschränkt sich das Angebot nicht nur auf den Tag, sondern reicht bis in die Nacht.

Eine ganz besondere Veranstaltungsart sind für mich Kindergeburtstage. Ein Geburtstag ist immer ein besonderer Tag und diesen mit seinen Freunden im Museum zu feiern, stellt mich als Museumspädagogin noch einmal vor eine ganz besondere Herausforderung:

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Ein Märchengeburtstag wird geboren

Zu Beginn der Konzeption eines neuen Kindergeburtstages steht meist eine diffuse Idee, z.B.: „Man müsste mal wieder einen Geburtstag zum Thema „Europa“ anbieten.“ In unserem Museum zeigen wir ja nicht nur „fremde“ Kulturen, sondern ebenfalls „unser eigenes Haus Europa“.

Auch bei Geburtstagen geht es, neben allem Spiel und Spaß, um Kulturvermittlung. Es gilt, ein bestimmtes Thema oder die komplexe Kultur einer Ethnie auf ein einfach zu vermittelndes und leicht verständliches Niveau herunterzubrechen, ohne dabei den Bezug zum eigenen wissenschaftlichen Anspruch oder zur Kultur, die man darlegt, zu verlieren.

Im Falle des Märchengeburtstages „Aufruhr im Zauberwald“ stand zu Beginn die Idee, etwas zum Thema „europäische Kultur“ anzubieten. Ich grübelte und grübelte, wie man das Thema „Märchen“ zu einem Geburtstag verwandeln kann, der Wissensvermittlung, Spiel und Spannung für 2-3 Stunden beschert.

Die besten Ideen kommen einem ja bekanntlich immer dann, wenn man gar nicht damit rechnet. So auch in diesem Fall: Beim Staubsaugen durch das Kinderzimmer fiel mein Blick auf ein altes, in meiner Kindheit heißgeliebtes (und immer noch 100% empfehlenswertes) Spiel: Sagaland. Plötzlich wusste ich es: Das war die verbindende Grundgeschichte!

Wie bei Sagaland, geht es in dem Märchengeburtstag darum, Gegenstände wiederzufinden, nur diesmal die im Museum versteckten. Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt: Eine böse Hexe möchte nicht mehr, dass man den Kindern Märchen erzählt weil sie es satt hat, immer die Rolle der bösen Hexe zu spielen. Kurzerhand stiehlt sie die wichtigsten Elemente der Märchen (z.B. Rotkäppchens Korb, Froschkönigs Goldkugel etc.) und verbirgt sie im Museumsschloß. So kann man den Kindern natürlich keine Märchen mehr erzählen!

Nachdem das theoretische Gerüst stand, musste es nun mit Leben ausgefüllt werden, d.h. die Kostüme besorgt bzw. genäht, passende Spiele ausgedacht, die geheimen Versteckplätze der Gegenstände ausgewählt werden. (Hier ist besonders wichtig zu erwähnen, dass in unserem Museum ja eine Vielzahl an Geburtstagsveranstaltungen parallel stattfinden, sodass man seinen Schatzplatz sehr sorgfältig auswählen muss, damit er nicht zwischendurch von Piraten oder Detektiven gefunden wird… Alles schon passiert!).

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Jedes Praxisangebot, jede Führung und jeder Geburtstag wächst mit seinen Aufgaben. Manche Spiele fallen nach einigen Probedurchläufen raus, weil sie doch nicht so gut angenommen werden wie im stillen Kämmerlein erhofft, andere Ideen entstehen aus dem Nichts heraus und werden feste Bestandteile des Geburtstages:

So zum Beispiel die Theatersequenz, in der wir das Märchen vom „Rotkäppchen“ nachspielen. Dieser, mittlerweile feste Bestandteil meiner Märchengeburtstage, hat sich aus einer spontanen Idee entwickelt.

Es ist wunderbar zu sehen, mit welchem Elan Väter und Mütter in Wolfs-, Großmütter- und Jägerkostüme schlüpfen und völlig unbefangen im „öffentlichen Raum Museum“ das Rotkäppchen-Märchen nachspielen. Für mich zählt dieses Zusammenspiel von Eltern, Kindern und Geburtstagsgästen zu den schönsten Augenblicken der Veranstaltung.

Dies war nur ein kleiner Einblick in die Geburtsstunde eines Geburtstages und zuviele Details (wie z.B. von der Suche im dunklen Zauberwald oder von dem Mantel, der unsichtbar macht) möchte ich auch nicht verraten. Kommt und erlebt es selbst!

Im nächsten Blogbeitrag möchte ich euch gerne über unsere nächtlichen Aktivitäten berichten – ihr wisst ja, es wurden schon viele Filme über „Nachts im Museum“ gedreht, aber noch keiner über &bd
quo;Nächte im Museum für Völkerkunde Hamburg“.

Von Isabel Lenuck, Museumspädagogin

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