Aus der Forschung: Besuch von der University of California

Liebe Leute,

hier ist wieder Susanne Knödel mit neuen Nachrichten von der Erforschung unserer Koreasammlung.

Zu dem Weinwärmegefäß, das ich Anfang Dezember hier vorstellte, gibt es noch keine neuen Erkenntnisse. Zwischendurch habe ich mich anderen Sammlungsstücken zugewandt. Bei der Forschungsarbeit bekomme ich immer wieder Unterstützung von WissenschaftlerkollegInnen, die zu uns reisen und sich die Sammlung mit sachkundigen Augen anschauen. Besonders die KunsthistorikerInnen sind da sehr aktiv.

Diese Woche war Dr. Maya Stiller von der UCLA hier. Sie hat in Deutschland an einer Wanderausstellung der Korea Foundation, „Entdeckung Korea! – Schätze aus Deutschen Museen“, mitgewirkt und kam zur Eröffnung ins Grassi-Museum nach Leipzig. Den Aufenthalt in Deutschland benutzte sie, um einen Blick auf unsere Schamanenbilder zu werfen. Das sind Gemälde, die in Korea auf den Altären der Mu-Religion (so nennt man den einheimischen Schamanismus in Korea) hängen.

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Maya Stiller mit dem Muhak-Bild

Unter diesen Bildern gibt es einige, die buddhistische Gestalten als Schamanengötter zeigen. Der koreanische Schamanismus hat sich nämlich viele historische und religiöse Persönlichkeiten zu eigen gemacht und verehrt sie auf seine spezielle Art. Besonders begeistert war Maya von einem Bild des Mönches Muhak (??????1327 -1405)  als Schamanengott. Er wird auch Muhak Taesa genannt. Das Bild wurde ungefähr 1900 gemalt, und man sieht, dass der Maler die buddhistischen Mönchsporträts seiner Zeit sehr gut kannte. Muhak sitzt auf einer Bodenmatte, hat einen Stab in der einen und eine Gebetskette in der anderen Hand. Die Kette liegt in Form einer 8 (na ja, mit guten Willen kann man eine 8 erkennen). Das macht sie zu einem Symbol der Unendlichkeit. Maya hat gerade einen Artikel über koreanische Mönchsporträts für die Zeitschrift „Arts of Asia“ geschrieben. Daher konnte sie mir genau zeigen, wie unser Bild in die zeitgenössische Maltradition passt.

Bei einer anderen Gelegenheit habe ich gelernt, dass man Schamanengemälde an ihrem besonders schmalen Rand erkennt. Ich habe vergessen, Maya zu fragen, ob das hier auch so ist.

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Muhak Taesa als Schamanengott

In der Mittagspause gingen wir koreanisch essen und unterhielten uns dabei weiter… Unter anderem diskutierten wir über die Frage, wie Muhak ein Schamanengott geworden ist, und ob man die koreanische Mu-Religion überhaupt als Schamanismus bezeichnen sollte. Das letztere ist ein altes Thema, aber immer wieder interessant.

Am Tag danach mailte Maya mir noch eine Menge Informationen über Muhak zu. Einiges davon wird wohl in einem Ausstellungstext landen, wenn wir Ende nächsten Jahres die geplante Koreaausstellung machen.

Bald könnt Ihr hier mehr Informationen lesen, wahrscheinlich über unsere Textilien und Schmuckstücke aus Korea.

 

English Version:

A Visitor from the University of California  A Visitor from the University of California  

Dear folks,

I´m Susanne Knödel. Back again to tell you about my research work on our Korean collection.

There is still no new information about the wine warmer which I wrote about in December. Meanwhile, I am working with other Korean objects. I get a lot of support from scholars, who travel to Hamburg and have a look on those parts of our collection which they are experts on. Especially the art historians are very active in this respect.

This week, Dr. Maya Stiller from UCLA was here. She has co-curated an exhibition staged by the Korea Foundation: “Korea rediscovered – Treasures from German Museums”. After travelling to the opening in Leipzigs Grassi Museum, she came to us to have a look on our Korean shaman paintings. These paintings are hung on the altars of the Mu-religion. “Mu religion” is the Korean word for their indigenous shamanism.

Among the paintings, there are a few that show Buddhist personages as shaman gods. In Korea, a lot of historical and religious personages have been adopted as gods by the shamans, and are venerated by them according to their shaman rites. Maya was especially intrigued by a painting that shows the monk Muhak Taesa (??????1327 -1405) as a shaman god, also called Muhak Taesa. The painting was painted around 1900, and one can easily see that the painter knew the Buddhist monks portraits of his time: Muhak is sitting on a floor mat, holding a staff in one hand and a rosary in the other. The rosary forms the figure 8 (although one needs a bit of goodwill to recognize that). This feature makes it a symbol of  infinity. Maya has just written an article about Korean monks portraits for the “Arts of Asia” – magazine. Therefore she was able to show me how well our painting fits in with the contemporary tradition. On another occasion, I learned that shaman paintings can be discerned by their narrow borders. I forgot to ask Maya if this is the case here, too…

For the noon break, we went to a Korean restaurant nearby and talked on and on…Among others, we discussed the question how Muhak came to be venerated as a shaman god, and whether it is a good idea at all to use the word “shamanism” for the Korean “Mu Religion”. The latter is an old topic, but it is still interesting to discuss.

A day later, Maya mailed me a lot of information on Muhak. Some of it may become part of an exhibition text in the Korean Exhibition we plan for end of next year.

More about our collection is soon to come. The next topics will probably be Korean textiles and jewellery.

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