Adventskalender: Türchen 6 „Fahrendes Volk“

Passend zu unserer neuen Sonderausstellung „Brisante Begegnungen – Nomaden in einer sesshaften Welt“ öffnen wir jeden Tag ein Türchen aus „Kleines abc des Nomadismus“, herausgegeben von Annegret Nippa.

Was sich wohl hinter dem heutigen Türchen verbirgt?

Fahrendes Volk

Dscn0733-400

Wer aber sind  sie, sag mir, die Fahrenden, diese ein wenig
Flüchtigern noch als wir selbst, die dringend von früh an
wringt ein wem, wem  zu Liebe
niemals zufriedener Wille? Sondern er wringt sie,
biegt sie, schlingt sie und schwingt sie,
wirft sie und fängt sie zurück; wie aus geölter,
glatterer Luft kommen sie nieder
auf dem verzehrten, von ihrem ewigen
Aufsprung dünneren Teppich, diesem verlorenen
Teppich im Weltall.
Aufgelegt wie ein Pflaster, als hätte der Vorstadt-
Himmel der Erde dort wehe getan.

         Rainer Maria Rilke (Die Fünfte Elegie)

Als späteres Symbol der Romantik, die Verkörperung individueller Freiheit, galt das Fahrende Volk erst als Sammelbegriff für „über Land ziehende Ärzte, Hauslehrer, Kleriker, Vaganten, Musikanten“ und Akrobaten, aber auch der damaligen Vorstellung von „Betrug, Gaukelei, Magie, Schwindel“ und Kriminalität.

(Zusammengefasst aus „Kleines abc des Nomadismus“, Herausgegeben von Annegret Nippa und Museum für Völkerkunde Hamburg, ISBN: 978-3-9812566-5-9, S. 68-69)

Kommentar verfassen