Exkurs: Das Museum für Völkerkunde reist nach Duisburg

Anlässlich der stART Conference, einem Treffen zahlreicher Kulturschaffender Deutschlands, die sich mit Möglichkeiten der Online-Kulturkommunikation auseinandersetzen, ist das Marketing-Team des Museums für Völkerkunde vom 16.-18.11. nach Duisburg aufgebrochen.

Duisburg – eine Stadt, deren Charme man sich erst erschließen muss. Wie schnell wurde einem beim Straßenbahnfahren durch die Straßen der Ruhrstadt zum Hotel bewusst, wie wahnsinnig verwöhnt wir von unserer Hansestadt sind. In Hamburg scheint jeder Stein am rechten Fleck zu sitzen, beinahe jede Fassade wirkt blank geputzt. Und ist sie dies nicht, kann man zumindest mit baldiger Sanierung rechnen.

In Duisburg scheint das anders zu sein. Hier lebt man offen mit der Vergangenheit und Gegenwart einer Industriestadt. Hochöfen ragen in der ganzen Stadt empor, Kräne, Rauch und Fabrikgebäude verströmen eine Industrieromantik, die dem Panorama vor der Hamburger Strandperle gar nicht so unähnlich ist  – nur das Wasser fehlt irgendwie.

Das Abenteuer unserer Geschäftsreise fing mit unserer Anreise erst so richtig an. Unsere Hotelzimmer waren wie durch ein Wunder nicht gebucht und da das ganze Ruhrgebiet zu dem Zeitpunkt von Messen und Konferenzen überrannt wurde, war auch kein einziges Zimmer für uns aufzutreiben. In Gedanken schon am Fußboden eines Jugenherbergszimmers nächtigend, entdeckte unser Hotel glücklicherweise dann doch noch ein Kämmerlein, in dem wir, dank des Herauskramens einer Klappliege, zu dritt Platz fanden. Nach dem Genuss eines ersten „Alts“ (niemals Kölsch bestellen!), in einer gegenüberliegenden Kneipe und der herzlichen Konversation mit den palästinensisch-marrokanisch-türkischen Eigentümern, krochen wir in unser kleines Feldlager.

Die StART-Konferenz in der Duisburger Haniel-Akademie war dann rundum lohnenswert und entschädigte uns für eine eher ruhelose Nacht, die vom regelmäßigen An- und Abfahren der Tram vor unserem Zimmer nur für oberflächlichen Schlaf gesorgt hatte.

Marcus Brown, in München lebender Brite, erzählte uns, passend zum diesjährigen Konferenzthema „The art of storytelling“, von seinen Charakteren „Sacrum“ und „Jack the Twitter“, denen er zur Vorbereitung nicht nur teilweise 40-seitige Biographien geschrieben hatte, sondern die beiden anschließend tatsächlich über Facebook, Twitter und co. zum Leben erweckte. Sie ließen sich zu ihrem Lieblingscafé nachverfolgen, teilten mit, welche Musik sie mögen und wurden am Ende von ihren Followern sogar intensiv auf den Straßen Londons gesucht – während Marcus Brown gemütlich in der bayrischen Hauptstadt am Küchentisch saß.

Wir haben fleißig mitgeschrieben und basteln derzeit an einem neuen „Mitarbeiter“ für das Museum für Völkerkunde, der euch demnächst begrüßen wird!

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Marcus Brown und sein Alter Ego „Jack the Twitter“. Foto: Frank Tentler;
http://www.flickr.com/photos/franktentlercom/

Katharina Ess, Studentin der Uni Hildesheim, berichtete dann in ihrem spannenden Vortrag über die Organisation des jungen europäischen Musik-Festivals Podium in Esslingen, welches sie mit ihren über Europa verstreuten Freunden quasi komplett über das Internet organisiert, finanziert und kommuniziert hat. Mit viel Leidenschaft aber auch Vernunft und ohne viel „Klimbim“ haben sie ein Festival für junge Musiker der klassischen Musik etabliert, welches mittlerweile nicht nur angesehene Auszeichnungen gewinnt, sondern dank der guten Dokumentation im Netz als Beispiel und Anregung für junge Eventplaner dienen kann. Katharinas freie und motivierte Vortragsart und auch die Möglichkeiten der Teamarbeit, die sie uns deutlich gemacht hat, haben uns nachhaltig beeindruckt.

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Das Team des Podium-Festivals. Foto: Podium Festival;
http://podiumnews.posterous.com/

Natürlich waren auch die ein oder anderen Vorträge dabei, die für das Museum für Völkerkunde momentan nicht so relevant erscheinen. So wurden wir in die Möglichkeiten der „Augmented Reality“ eingeführt, mit der man z.B mithilfe des IPhones Bilder auf den realen Ausstellungsraum projizieren kann oder sogar bestimmte Objekte, die an der Wand angebracht sind, plötzlich dreidimensional sieht.

Wir glauben, dass das pure Ausstellungserlebnis den Besucher bereits genug herausfordert und wollen außerdem gerne die Objekte für sich sprechen lassen. Setzt euch mal in Ruhe vor eines der Kostbarkeiten aus der Inka-Galerie oder besucht „Maui“ im Maorihaus und ihr werdet ihre ganz eigene Geschichte und Sprache hören – ganz ohne technische Hilfsmittel, versprochen!

Fazit: wir haben viel von der StART-Konferenz mitnehmen können, haben interessante Gespräche geführt und ganz nebenbei am zweiten Tag noch diesen kleinen Blog ins Netz gestellt. So motiviert waren wir von den Möglichkeiten und der Dynamik eines solchen Internetmediums, dass wir es hiermit gleich mal ausprobieren wollten!

Vielen Dank an dieser Stelle an alle Organisatoren der StART für diese gelungenen Tage!

 

Was haltet ihr von unserem neuen Blog? Habt ihr Anregungen und/oder Wünsche, wie wir etwas noch besser machen können? Wollt ihr vielleicht selbst mal etwas schreiben zu unserem Museum, verschiedenen Kulturen oder euren Reisen in die Welt?Schreibt uns gerne an info@mvhamburg.de. Dieser Blog soll auch eure Plattform werden!

Wir freuen uns auf eine gemeinsame Zeit, hier im Blog des Museums für Völkerkunde!

Julia Grosser, Assistentin Marketing und Presse

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