Lieblingsstücke: Mensch-Skorpionwesen

Vorgestellt von Claudia Chávez de Lederbogen, M.A.
Ethnologin, Museumspädagogin im Museum für Völkerkunde

Skorpion-b

Das Objekt aus getriebenem Goldblech ist in der Schatzkammer zu sehen und wird der Chimú-Kultur in Nordperu zugeschrieben (1000 – 1470 n. Chr.). Ich finde das Objekt beeindruckend, weil es so klein ist und trotzdem viele Details hat. Das zeigt, dass der Metallkünstler hier Feinstarbeit geleistet hat: die kleinen Perlen, die den Schwanz-Stachel ausmachen, sind hohl gehämmert und nicht gegossen. Der Skorpion hat ein menschliches Gesicht, Finger und Zehen, trägt den Kopfschmuck eines Königs oder Götterwesens, ist aber an sich eben ein Skorpion.
Mich fasziniert die Genauigkeit der Ausführung, die eine genaue Betrachtung des echten Tieres voraussetzt, aber auch die Interpretation, die in dieser Figur enthalten ist: Ist es nun ein Tier? Ist es ein Gott? Ist es das Abbild einer Herrscherpersönlichkeit?
Im Grunde genommen ist in diesem Miniaturgegenstand eine komplette Weltanschauung enthalten. Das Objekt wirft in uns Betrachtern eher Fragen auf und gibt uns kaum Antworten auf diese Weltanschauung, die wir nur erahnen können. An der Präzision der technischen Arbeit dieses Objekts hingegen kann ich mich als Betrachterin konkret im Hier und Jetzt vor der Vitrine in der Schatzkammer des Museums erfreuen.
Ich verbinde mit dem Objekt Phantasie und Strenge – mich persönlich nimmt es auf eine imaginäre Zeitreise mit.

Kommentar verfassen