Lange Nacht der Museen – Aktion „5.000 Kraniche für Japan???

002

Mein Nama ist Anna Lietz. Ich bin Mitarbeiterin im Sekretariat des Museums für Völkerkunde Hamburg.

Ich habe nach dem Tsunami-Unglück in Japan gemeinsam mit einigen Kolleginnen des Hauses eine Origami-Aktion betreut, bei der Besucher und Freunde des Hauses Glückskraniche aus Papier falten und bei uns vorbeibringen konnten. In Kombination mit einer Spendenaktion der Japanischen Schule Hamburg konnten wir am Ende unzählige Kraniche in allen nur erdenklichen Farben nach Japan schicken und den Menschen dort vielleicht ein bißchen Mut machen!

Hier ein paar Eindrücke vom Origami-Stand, an dem während der Langen Nacht der Museen Glückskraniche für Japan gefaltet wurden:

Eine schwarz-bunte Kranich-Familie

Während der Langen Nacht, brachte eine Familie die folgenden Kraniche ins Museum: einen großen Kranich, drei mittlere Kraniche und einen ganz kleinen Kranich – wobei der Kleinste am meisten beeindruckte!

Zuhause hatte der Vater diese schwarz-bunte Kranich-Familie aus Geschenkpapier gefaltet und im Museum faltete er gleich weiter, zusammen mit seiner Frau, seiner Tochter und dessen Ehemann. Die vier saßen ungefähr eine Stunde mit am Tisch und falteten unermüdlich. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön! Sie haben unsere Kranich-Familie auf jeden Fall vergrößert!

Ein wunderschöner Kranich

„Ganz sicher freuen sich die Menschen in Japan auch über deinen Kranich!“ „Nein. Er soll einfach wunderschön sein!“ Es geht um den blauen Kranich. Er ist definitiv ein Kranich und auch ein sehr schöner. Natürlich ist er ein bisschen schief, aber zählt nicht vor allem die Geste? Wenn ein kleines Mädchen oder ein älterer Herr sich auf einen Stuhl setzt und versucht einen Kranich aus Origami-Papier zu falten, einen Moment innehält und dabei an die Menschen in Japan denkt, dann ist das schön. Es zählt ja auch die Geste, dass man einen Liebesbrief erhält mehr, als die Rechtschreibfehler darin!

Die Ausnahme von der Regel

Die meisten Kraniche, die wir bis jetzt gemeinsam mit Besuchern gefaltet und von Besuchern erhalten haben, haben doch eine recht ähnliche Form: einen gebogenen spitzen Kopf, zwei Flügel, die nach links und rechts abgehen und einen nach oben gefalteten spitzen Schwanz. Eine Ausnahme bildet das pastellfarbene Exemplar. Es sieht beinahe so aus, als ob der Kranich auf Wasser gleitet, so wie Kraniche das in freier Wildbahn tun. Allerdings wird er nicht über das Wasser bis nach Japan gleiten müssen, sondern wird wie die anderen Kraniche per Flugzeug transportiert werden.

Drei bunte Freunde

Kraniche in grün, blau, rot oder gelb? Schön, sicher, aber auch interessant?! Das könnte man wahrscheinlich denken, betrachtet man die folgenden drei Gefährten. Sie unterscheiden sich jeweils leicht in der Form, aber vor allem in ihrer Farbe! Buntes Papier, verziert mit Blumen, Ornamenten, Kreisen und Blättern. Die Farben rufen Bilder von Glück und Langlebigkeit hervor. In Japan ist der Kranich ein Symbol des Glücks und der Langlebigkeit. Damit verbinden unsere drei bunten Freunde hier zwei Mal Glück und Langlebigkeit – und doppelt hält ja bekanntlich besser!

Was er wohl ausrichtet?

Ein gelb-oranger Kranich, an und für sich nicht besonders auffällig. Auf der Unterseite eines Flügels jedoch steht eine Nachricht. Aber was wohl? Es ist eine Nachricht in japanischen Schriftzeichen. Ist es ein Name? Eine Botschaft an Japaner im Allgemeinen oder ist es ein Wunsch für eine bestimmte Person? Natürlich könnten wir uns die Zeichen übersetzen lassen, aber ist es nicht so viel geheimnisvoller und mystischer? Viele Menschen, die einen Kranich im Museum für Völkerkunde für Japan falten und die Legende der 1 000 Kraniche hören, verbinden meistens einen eigenen Wunsch mit ihrem Kranich. Das wird nicht gesagt, also lassen wir auch diesem schlichten gelb-orangenen Kranich sein Geheimnis.

Ein geheimnisvoller Briefumschlag

„Museum für Völkerkunde, Rothenbaumch. 64, 20148 Hamburg“ steht auf dem schlichten weißen Briefumschlag. Ansonsten nichts! Kein Absender, keine Adresse. Drinnen sind Kraniche, sonst wieder nichts, kein Zettel, keine Karte. Das ist sehr schade, weil wir uns so  bei unserem anonymen Spender gar nicht bedanken können! Vielleicht liest er ja diesen Blog. Dann auf diesem Wege: Vielen Dank für zehn selbstgefaltete Kraniche!

Kommentar verfassen